Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537678-3537690--1843-3539954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. 367 BÜCHER- BESPRECHUNGEN. Jüdischer Almanach 5670. Herausgegeben aus Anlaß des 25semestrigen Jubiläums von der Vereinigung Jüdischer Hochschüler aus Oalizien Bar Kochba in Wien. Wien 5670=1910. Im Selbstverlage der Vereinigung. In Kommission „Jüdischer Verlag", Gm b H. Köln a. Rh. (216 Seiten in 4°, Preis 5 JVU Der alte Jüdische Almanach" dürfte das populärste jüdische Buch sein, das im letzten Jahrzehnt in Deutschland erschienen ist. Tatsächlich bietet er ein großartiges und einheitliches Bild des modern-jüdischen Denkens und Schaffens, selbst die Gegner hat er seinerzeit zu einem Worte der Anerkennung genötigt. Was er begonnen, will der neue Almanach fortführen, und man darf sagen, daß ihm dies im wesentlichen gelungen ist. Der Unterschied dieses Buches und der anderen Werke des Jüdischen Verlags von dem, was sonst an „jüdischer Literatur" produziert wird, tritt klar hervor. Hier handelt es sich nicht um Apologetik des Judentums, nicht um Defensiv-Bestrebungen, auch die bekannten moralischen Erzählungen bleiben uns erspart; daß das Judentum seine Existenzberechtigung hat, so gut wie irgend ein anderes Volk in der Welt, ist für die Mitarbeiter des Almanachs eine Selbstverständlichkeit, über die man kein Wort zu verlieren braucht. Sie schreiben nicht für „die da draußen", sondern sie suchen als Juden das zu formen und zu gestalten, was an jüdischen Werten in ihnen lebt, und sie tun das, bei aller Liebe zu ihrem Stamm, zum ersten Male wieder mit der Objektivität, die wir heute als Voraussetzung jedes wirklich wertvollen wissenschaftlichen und künstlerischen Schaffens erwarten. Wir V. J. St.er werden, wie den alten, so auch den neuen Almanach besonders gern zur Hand nehmen, denn wir empfinden, daß im V.J. St. derselbe Geist lebt wie in diesen Büchern: jener Geist, der gleichzeitig durch und durch jüdisch und im besten Sinne modern ist. Auf die zahlreichen einzelnen Beiträge hier einzugehen, würde zu weit führen. Hervorgehoben sei der einleitende Aufsatz von Martin Buber: „Der Jude und sein Werk", der das Problem behandelt, wie der Jude nach jahrhundertelanger Sterilität wieder schöpferisch werden könne. Von demselben Gedanken wie Buber ausgehend, behandelt Matthias Ach er die „Tragik des jüdischen Volkes" — des Volkes der äußersten Gegensätze. Arthur Schnitzler gibt geistreiche Paralipomena zu seinem „Weg ins Freie"; ein ebenfalls abgedruckter Brief, den er im Jahre 1892 an T h e o d o r H e r z 1 richtete, enthält den interessanten Satz: „Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, Ihnen gerade das zu sagen, was ich Ihnen sagen will: daß es wahr-