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Der jüdische Student · 1911-03-01 · Heft 12 (März 1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
7 (1910-1911)
Issue
Heft 12 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
[Seite] (sequence 47)
Language
German
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Der jüdische Student. Das ist es: Er muß das eine tun und kann vom andern nicht lassen; zwei Seelen wohnen in seiner Brust. Griechentum und Germanentum, die ewig Anti-Semitischen, locken den Deutschen in ihm immer aufs neue: er liebt seine Landsleute, selbst wenn er sie hundert Male wie die verachtungswürdigsten Geschöpfe behandelt. (Die Germanen sind ja mit den Griechen eng verwandt; auch sie haben, wie er in den Elementargeistern zeigt, vor der Ueberrumpelung durch das saftlose Scheinbrot des spiritualistischen Kultus vom wirklichen Brote des Pantheismus gelebt. Wider alle Natur ist es daher, aus Christus einen Germanen zu machen: Sein Wesen und seine Lehre lagen diesen lebensprühenden Riesen so fern, wie nur immer Pan dem Logos gewesen.) Aber auch der Jude schreit nach Raum zum Atmen, will sich dem andern nicht gefangen geben, bricht an Stellen hervor, wo ihn der Gegner am wenigsten erwartet. Beide nährt der Dichter aus den Quellen seiner Kunst, muß sie nähren, immer erneut auf einander hetzen. Denn sie gehören zu ihm wie Tag und Nacht zum Leben, wie Licht und Schatten zur Sonne. Er müßte ertrinken, wenn ihm das eine fehlte, und wäre entwurzelt, wollte er das andere aus sich herausreißen. Was ihm in diesem furchtbaren Kampfe bleibt, ist Verzweiflung und Lachen. Ein Lachen, wie es bei Shakespeare etwa der grübelnde Dänenprinz Hamlet lacht. Auch ihm ist eine Tat aufgebürdet worden, für die sich sein Hirn zu schwindsüchtig, sein Wille zu gebrechlich erweist. Und da das flackernde Feuer seiner Seele keine Erlösung findet, so ertränkt er es in ätzendem Spott, in beißenden Ausfällen auf durchaus belanglose Nebenmenschen. Aber überall lugt angstvoll die Verzweiflung, die Wut gegen sich selbst hervor. Heine wollte ein deutscher Dichter sein, wollte germanische Sinnenfreude und Goetheschen Frieden ausstrahlen: Es ist ihm nicht gelungen. Derselbe Schriftsteller, der so deutlich den Unterschied zwischen Sensualismus und Spiritualismus erkennt, vermag in sich zu dieser Erkenntnis nicht zu kommen. Da wird das Goethische „Stirb und Werde" an ihm zu ganz eigentümlicher, erschütternder Wahrheit: In seinen Dichtungen rast ein ewiges Auf und Nieder, vom Himmel zur Hölle, von der reinsten Höhe zur gemeinsten Tiefe, wie ich es mit dieser zerstörenden Gewalt bei keinem andern ge-

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