Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 353 Eben dieser Judengeist hat den ärgsten Haß des Juden Heine zu ertragen. Rom ist nach seinen Worten durch „judäisches Gift" zerstört worden. Er hält die Romantiker von vornherein für verwerflich, weil sie in ihren Dichtungen von der Natur zur mittelalterlichen Poesie zurückeilen, die nichts für sich als schön und lebendig gelten lasse, sondern überall spiritualistische Beziehungen hineinfable. Er führt ein sehr ergötzliches Beispiel an: Wenn Homer die Rüstungen seiner Helden schildert, so sieht er nichts als eine Rüstung, so und so viel Ochsen wert. Beschreibt aber ein Mönch die Röcke der Mutter Gottes, dann meint er sicher damit ebensoviele Tugenden. Alles Unheil des Mittelalters, Kreuzzüge und Hexenunfug, Asketentum und Judenverfolgung führt Heine auf dieselbe Wurzel zurück, und strahlend hebt sich von diesem freudlosen Gewitterhimmel eine Sonne ab, der seine ganze Verehrung und Sehnsucht gilt: Das Bild Goethes, des Olympiers, des Wolfgang Apollo, wie er ihn einmal nennt. In ihm scheint die solange totgesagte griechische Welt, zur klarsten, gedrängtesten Form geläutert, wieder erwacht zu sein. Doch sonderbar: derselbe Heine, der sein Leben in griechischen Stil ummodeln möchte, hegt eine fast zärtliche Liebe zu allem, was mit dem Judentum in Zusammenhang steht. Jehuda Halevy, der sich einer spiritualistischen Idee opfert, dessen Gedichte nach den biblischen Büchern vielleicht die reinsten Ausstrahlungen des verachteten Judengeistes sind, wird ihm eine wunderbare, große Feuersäule des Gesanges, Stern und Fackel seiner Zeit, gewinnt doppelt an Größe, weil er auf den Knieen seines traurig armen Liebchens sterben durfte, auf den Knieen Jerusalems. In denselben Hebräischen Melodien besingt Heine die Schule Jehudas, den Talmud, und nie sind Halacha und Hagada dichterischer erschaut worden als es hier geschieht. Er muß diese frühen Erzeugnisse jüdischen Denkens mit einer Liebe gelesen haben, wie sie kaum heißer in der Brust des eigentlichen Talmudjuden — des denkbar schärfsten Gegensatzes zu Goetheschem Griechentum — glühen konnte, mit einem Verständnis für jüdischen Volksgeist, wie es sicherlich die wenigsten von uns Heutigen besitzen. Noch mehr: Er steigt von diesen klaren Quellen der Kunst und des Genusses auch hinab in die Niederungen der Judenheit, ins kleine verängstete Ghetto, das ihn trotz seinen