Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 351 Heine als Jude. Von Siegfried Weitzmann (V.J. St., Charlottenburg). Die folgenden Ausführungen versuchen nichts weniger als eine Ehrenrettung des Menschen oder — was hier wie nirgend sonst dasselbe ist — des Dichters Heine. Es kostet ja den beurteilenden Zeitgenossen gleich viel, den immer noch unheimlich Lebendigen, im Bewußtsein eigner germanischer Oradheit, kurzerhand als charakterlosen Witzler abzutun oder ihn zum makellos reinen Heros des Judentums emporzuheben. Hier soll nur gezeigt werden, daß dieser Dichter gleich uns andern, freilich in besonders furchtbarer Größe, zwischen Himmel und Erde steht und ihren doppelten Oesetzen unterworfen ist, daß er grade ohne den farbigen Aufputz der Unentwegten eine Bedeutung für jeden Juden gewinnt, die hinausgeht über die Wirkung von Mensch zu Mensch, die ein Symbol wird für die Tragik des Stammes. Heine macht in seinen Schriften über Deutschland (besonders in der „romantischen Schule"), vielleicht zum ersten Mal mit dieser Klarheit, einen scharfen Unterschied zwischen den beiden Religionen, die die Grundlage unserer gesamten Kultur bilden: Zwischen der griechischen und der jüdischen oder (in einer späteren Stufe der Entwickelung) mittelalterlichen Weltanschauung. Jene nennt er den „Sensualismus", diese hingegen den „jüdischen Spiritualismus". Die griechische Sinnenfreude kennt nur diese Erde mit ihrer Lust, läßt ihre Götter sogar auf einem Berg dieser Erde thronen. Der Zweck und Schwerpunkt ihres Lebens liegt in der umgebenden Natur, Geist und Körper sind in Wahrheit una eademque res, ergänzen sich, fließen durcheinander in ungestörtem Wechsel. Der große Pan, der naive bocksbeinige Hirtengott, der im Walde verträumt seine Flöte bläst, wird das Sinnbild rdieser Zeit: Dionysos, der Unerschöpfliche an Frohsinn und Weinlaune, führt den Reigen des Lebens. Düster und feierlich, wie" der vorausstreichende Hauch eines mittelalterlichen Klostergewölbes, drängt sich in diese Welt allmählich, aber immer erdrückender der auf Palästinas Boden still herangereifte Judengeist, Logos beginnt mif Pan einen-unerhörten Kampf. Was dem einen das .Wertvollste im Leben dünkt, wiegt dem andern leichter als Kork; wo jener alles Gewicht erblickt,