Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Der jüdische Student. steht sowohl an moralischem-Wert wie auch an praktischer Zuverlässigkeit unter dem, was der zwar zweckmäßig erzogene, aber frei handelnde Mensch leistet. Bei der jüngeren Generation, die von ihrem ersten Semester an auf ihre Pflichten als A.H. A.H. hingewiesen wird, wird nun eine Pfiichtversäumnis viel weniger leicht eintreten, wenn sie einmal die Korporalion verläßt. Anders bei den älteren A. H.A. H., die während ihrer Aktivität den V. j. St. nicht als Durchgangsstation; sondern gewissermaßen als Endzweck zu betrachten gelernt, haben. Wir können von ihnen nicht dasselbe erwarten als von den besser vorgebildeten Jüngeren. Aber eines, können wir von jedem A.H. verlangen: daß er, sofern er sich nicht im jüdischen Leben betätigt, wenigstens an der Korporation selbst Anteil nimmt. Wenn er weder jüdisch arbeitet noch sich um die Korporation in wünschenswertem Maße bekümmert — und beides geht gewöhnlich Hand in Hand —, dann handelt er direkt gegen die Interessen der Korporation, besonders wenn er an ihrem Sitze wohnt und durch sein Beispiel die Arbeitsfreudigkeit der Jüngeren lähmt. Es scheint mir selbstverständlich, daß dann die Korporation sich ihrer Haut wehrt, wie wir es in Straßburg vor 3 Jahren in 3 besonders eklatanten Fällen getan haben. Das ist nun allerdings grundverschieden von dem, was der Antrag Erich Cohn und Gen. wollte, der für die A. H. A. H., die arbeiten wollen, eine Norm aufstellen will. Für diese war er beschämend und, wie gesagt, durch seine uniformierende Tendenz unpassend, für die anderen war er unnötig; denn für die gab und gibt es andere Mittel". Und schließlich wäre er durch seinen Zuschnitt auf Zionisten und auf zionistische Institutionen, die da offiziell gemacht werden sollten, nichts anderes gewesen als die Breslauer Resolution in anderem Gewände; er hätte auch dem Zionismus gewissermaßen eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte im B. J. C. geschaffen. Über die Art der Fuxenerziehung gingen die Meinungen in ähnlicher Weise auseinander. Blumenfeld ging von zwei Thesen aus: einmal, daß die Lage des deutschen Judentums heute eine verzweifelte sei; zweitens, daß die meisten Keiitüxe aus assimilatorischem Lager zu uns kommen und daß daher eine normale Entwicklung zum Zionismus bei ihnen nicht zu erwarten sei.