Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 315 daß uns Unterstützung zuteil wurde von einer Seite, von der wir sie nicht oder doch nicht in dieser Energie erwartet hatten, nämlich von den alteren Berliner A. H. A. H., besonders von Zlocisti, Emil Cohn, vor allem aber von Zwirn. Es war für mich geradezu frappant zu bemerken, in welcher Ubereinstimmung, im allgemeinen sowohl wie in Einzelheiten, sich die Gedankengänge, die wir das ganze Jahr hindurch und noch auf dem KT. verteidigt hatten, mit denen von Zwirn befanden. Hier wie dort dieselbe Verurteilung des Hineintragens des. Parteizionismus in die Organisation des B.J.C., der Teilnahme am Frankfurter Kommers, der unbundesbrüderlichen Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Meinungen, der fabrikmäßigen Zionistenmacherei. Wir sahen also, daß wir doch nicht, wie wir geglaubt hatten, allein standen, sondern daß wir es waren, die die Tradition fortsetzten, nicht aber die Blumenfeldsche Richtung, die sich doch so gern auf Zwirn als ihren geistigen Vater beruft.*) Die Parteien, die sich auf dem K.T. gegenübertraten, waren sich einig über das zu erreichende Ziel, uneinig nur über die Art und Weise der Erreichung. Sämtliche Redner erklärten, in zionistischem Sinne im B. J.C. zu arbeiten, und sämtliche Delegierte, die sprachen, berichteten, daß in ihren Vereinen in zionistischem Sinne gearbeitet werde. Während aber die Blumenfeldsche Richtung das Ziel erstrebt, durch bindende Normen die Tätigkeit und Entwicklung der Bbr. Bbr. im Interesse der politischen Arbeit möglichst zu uniformieren, verwerfen wir die Anwendung äußeren Druckes in beiden Fällen. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß das, was ein A. H. leistet, und die Art, wie sich ein Fux entwickelt, aus ihrem eigenen Willen und Interesse fließen muß, wobei es allerdings die Aufgabe der Korporation ist, auf sie so einzuwirken, daß jeder einzelne, wo er auch stehen mag, in jüdisch-politischer Hinsicht auch ungeheißen seine Pflicht tut. .Was durch Vorschriften erwirkt ist, *) Es ist daher nicht richtig, wenn Bbr. Hirsch in seinem K.T.¬ Bericht es so darstellt, als ob in der A.H.-Debatte — die aber lediglich eine Tendenzdebatte mit Nutzanwendungen auf die A. H.-Frage war — sich zwei Parteien, die Alten und die Jungen, gegenübergestanden hätten. Die Vertreter von Straßburg und Freiburg — von den anderen kann ich es nicht genau sagen — haben sich jedenfalls mit den „Alten4* bedeutend einiger gefühlt als mit den „Jungen" blumenfeidscher Observanz.