Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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317 Daraus zog er den SchluH, daß es im B.J.C. darauf ankomme, den Füxen möglichst rasch eine zionistische Oesinnung beizubringen — sie ihnen, wie sich Rosenblüth nachher drastisch ausdrückte, einzupumpen —, die V. J. Ster möglichst schnell und wenn nötig durch Zwang zur aktiven zionistischen Tätigkeit zu bringen, um dann so von dem deutschen Judentum zu retten, was noch zu retten sei. — Die erste Prämisse ist zwar richtig, aber die zweite ist meiner Erfahrung nach zum größten Teil falsch, und der Schluß wäre falsch, auch wenn beide Prämissen richtig wären. Und wenn es dem deutschen Judentum noch so schlecht ginge, und wenn wir auch lauter Keilfüxe aus den assimilatorischsten Familien bekämen, der vorgeschlagene Weg wäre doch nicht der^richtige, um dem Zionismus auf die Dauer die Männer, die ihm not tun, heranzuziehen. Der Zionismus könnte keinen Vorteil haben von Menschen, in die er von außen hineingepreßt worden ist. Sondern der wahre Zionismus ist für mich das jüdische Zusammengehörigkeits-Gefühl, der jüdische Wille, der die Form angenommen hat. die heute für uns die zweckmäßigste ist. Es gilt daher, dieses jüdische Gefühl, das jeder noch hat, mag es auch noch so tief unter Indifferenz und Assimilation versteckt liegen, aufzusuchen und aus ihm heraus den Zionismus zu entwickeln, es gewissermaßen in die Form des Zionismus iu gießen. (Dazu gehört allerdings liebevolle Versenkung in den einzelnen, die mancherorts nicht mehr Mode zu sein scheint.) Und es muß ferner jedem einzelnen das Gefühl erhalten bleiben, daß er sich völlig frei entwickeln kann und nicht als V. J. Ster minderen Rechts angesehen wird, wenn er den Weg zum Zionismus nicht findet. Jeder Druck auf die Entwicklung, sei es durch Kartelltags- oder Konventsbeschlüsse, sei es durch Geringschätzung von Nichtzionisten, muß daher gerade von dem, der möglichst viele gute Zionisten aus. dem B. J. C. hervorgehen sehen will, aufs schärfste bekämpft werden. Gerade Felix Rosenblüth drückt die Gefahr, die die von ihm verteidigte Erziehungsmethode mit sich bringt, in seinem Nachruf für Hirsch Hildesheimer sehr gut aus, wenn er sagt: ,,Ist es nicht unsere Gefahr, daß . . . viele nie zu etwas Besserem und Tieferem gelangen als zu einem — Fanatismus der Überzeugung? Und doch ist zum mindesten die Liebe zum Volk