Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 10 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. Verwirrung. . in . den jüdischen Köpfen über die religiösen Tagesfragen-,' wozu die neue JNIittelpartei mit ihrer zum Prinzip erhobenen. Inkonsequenz und' der konservativ-zionistische Block mit seiner Mwahrhaft liberalen" Parole .nur noch 'beitragen, muss das Interesse für -diese Fragen, das einzige in diesen Kreisen noch-, vorhandene jüdische-Interesse, allmählich völlig schwinden. Der-Liberalismus führt zur Taufe, das drohende Tohuwabohu wird durch konsequent .fortgeführte Inkonsequenz .-nach meinen Befürchtungenzur Verwirrung, Interesselosigkeit, damit gleich: falls zur Taufe führen. Wo ist "ein 'Ausweg'? . Der Zionismus? Wohl! _Aber als Blockbruder der Konservativen wird ,er mit Hille des Spott- und Scherzwortes von der „Schinkenorthodoxie", -als ernsthafte Lösung der die Gemüter beherrschenden Fragen stets ausgeschaltet bleiben. Er wird allerhöchstens die selbstgefällige/- in ihrem Hochmut sich heroisch fühlende, dabei für jüdische Zukunftsfragen verständnislose orthodoxe . Minorität: als ungern angenommener Bundesgenosse mit seinen besserer Zwecke Werten Mitteln unterstützen, um seinen Gegnern in ihrer Hilflosigkeit,zu" einem freudig aufgegriffenen Schlagwort zu verhelfen. Die Lösungsmethode, die dem systemlosen Herumkurieren ' am Leibe der jüdischen Tradition erfolgreich begegnen kann und •die nach meiner Ansicht bei der Masse die einzig mögliche 'Grundlage für die Erziehung zum. Zionismus, darstellt, ist die Auffassung vom religiösen Judentum,-: die bei den religiös. Interessierten in unseren Reihen sich als selbstverständliche Synthese - mehr oder weniger bereits herausgebildet hat; ich., möchte diese religiöse Richtung mit Anwendung eines parteipolitischen Namens die ii a t i o n a 11 i b-e r a 1 e nennen. Von der Orthodoxie trennt sie die uneingeschränkte Anerkennung der; Rechte des Zeitbewusstseins und der Vernunft gegenüber Glauben und Tradition, vom, Liberalismus das Bekenntnis zum jüdischen Nationalismus; der Orthodoxie und dem Liberalismus gegenüber liegt der Schwerpunkt ihrer praktischen Aufgaben nicht in der Gegenwart, die mit dem anormalen Zustande .der Gallith eine völlig konsequente "Stellungnahme unmöglich macht, vielmehr in der Zukunft, deren zionistische-Gestaltung ihr, die Vorbedingung für -eine freie.aus sich selbst wiedergeborene jüdische Religion verbürgt Die jüdische Religion muss durch abermalige Inkarnation in einen freien nationalen Körper, der sie zu tragen und entwickeln vermag, als die Religion auferstehen. Dann kann die Menschheit, •von einem Irrtum, der vor 2000 Jahren, durch politische Um stände, hervorgerufen und begünstigt, die Wanderung durch die Welt antrat, wieder befreit werden. Die nationalliberale Auffassung vom Judentum lehrt also die Mission des Judentums. Dass.diese nationalliberale Richtung auch o h.n e Beibehaltung .der. vom Zeitbewusstsein überwundenen Nationalgebräuche doch im .besten Sinne . national und das Judentum'erhaltend .sein1 kann.