Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 10 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. braucht meiner Meinungnach in unserem Kreise nicht diskutiert zu werden. Die nationaüiberale Richtung darf zweifellos, wenn .sie, aus zionistischer Gesinnung, herausgeboren, ihren Zionismus nicht verleugnen will, das Ziel der freien Entwickelung auch in ihrem Gegenwartsprogramm nicht vergessen. Wer rein theoretisch die .Beibehaltung der überlebten nationalen Eigenheiten zur Aufrechterhaltung des Natlonalbewusstseins und des Nationaleharakters fordert, legt mit dieser Ansicht nur von religiöser Uninteressiertheit und mangelndem Verständnis für die religiöse Judenfrage Zeugnis ab. - ' Die flüchtige, hier entworfene Skizze vom nationalliberalen Judentum wird als x^nregung zu einer Diskussion über die hierhergehörigen Fragen wohl genügen. Auf den praktischen Nutzen, den die genannte Richtung gewähren kann, will ich nur noch kurz eingehen. . Die Erkenntnis, dass eine erfolgreiche zionistische Arbeit in Westeuropa nur in den Gemeindestuben erfolgen kann, dringt immer mehr durch. Man macht vereinzelt grosse Anstrengungen; : doch der Misserfolg ist fast überall derselbe. Verantwortlich ist - für diesen zum grössten Teil cRe selbstgewählte orthodoxe Blockbrüderschaft.— Der Breslauer Defögtestentagpropagierte unter Klees Losung• ,;heraus aus dem'Türm!" die Stärkung des zionistischen Einflusses durch Zusammenarbeiten mit den grossen jüdischen Organisationen; in Frankfurt bereits musste Blumenfeld" die deutschen Ztonisten an den jüdischen Nationalismus erinnern. Die Stosskraft der zionistischen Ideen erlahmt im schwächlichen Kompromiss. Dies hat .man. erkannt; ü-nd dadurch erklärt sich die eingangs gestreifte Ratlosigkeit über die neu einzuschlagenden , Wege. So versuchte man denn aus den Parteiungen im religiösen" Lager für den' Zionismus Kapital zu schlagen. Doch vielleicht haben die zionistischen Führer in Deutschland schon jetzt die Nutzlosigkeit des schwarzblauen Blocks mit den Orthodoxen erkannt. Der Zionismus kann nur mit den ei g e n e n W äffen s i e g e n. So . muss, soll das Ziel, die Gemeindestuben zu erobern, nicht, aufgegeben' werden,--ein neuer Weg aus dem' zionistischen Gedanken heraus gefunden werden. Die reine zionistische Idee kann der Masse durch akademische Erörterungen nicht zu eigen gemacht werden. In der gleichen Form, in der der Masse die kleinen jüdischen Fragen des Tages entgegentreten, muss/sich. ihr die zionistische Auffassung des Judentums darbieten. Die gekennzeichnete nationalliberale Richtung kann meiner Ansicht nach die geeigneten 'Mittel dazu an die Hand geben.