Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 10 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3537599-3537678-3537688--1740-3539849- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2GS führung ankündigend Diese Salome war' aus ihrer Geburtsstadt 'Königsberg über München nun auch nach Berlin gekommen und hatte sich für die Reichshaupts'tadt sorgsam zurechtgestutzt. Ich nehme aiv dass es nun schon im Kartell mit allen Einzelheiten bekannt ist. wie der, arme Referendar Jochanaan zum Kassenwart, des V. J. St. Charlottenburg verurteilt wird. Wohl noch häufig wird . man sie bei .uns sehen, aber ob mit einer so .imposanten Dekoration ist zweifelhaft. Leider schwächten einige breite Stellen im Text die Wirkung etwas ab. jedenfalls war auch der Kommers ein voller Erfolg und hat in den studentischen Korporationen Berlins Aufsehen erregt Und viele Blicke neidvoll auf die V. J. St.5en* gewendet: -— Endlich ist der 4. Tag des K. T::s da. " Die Stimmung ist durch den versöhnlichen' und friedlichen Ausgangder Tendenzdebatten. „ und des K. T. überhaupt die beste; und es gibt in ganz \ Berlin nur frohe, vergnügte Menschen. Man munkelt -allerhand über den Ball am Abend.: Die Erwartungen steigern sich durch hunderterlei Gerüchte — man wird nervös —- man bekommt Ballfieber — und schliesslich wird jede Erwartung noch weit übertroffen. . Nicht mit Unrecht nennt man das neue Haus des Brüdervereins das schönste und eleganteste'Festhaus Berlins. Ein Vestibül von majestätischer Würde, ausgeführt im strengen dorischen Stil, nimmt uns auf, und breite, mit echtem Smyrna belegte Treppen bringen uns zu den Festräumen. Das gelblich - warme Licht der Wandarme,. der helle, braune Grundton des Ganzen ist von wohltuender Wärme. Schon, ausserhalb der eigentlichen Säle sind wir benommen, begeistert und willenlos, nur genussüchtig und 'geniessend überlassen wir uns einer unsichtbaren Macht, die für unser Vergnügen ängstlich' Sorge tragt. Aus dem Treppenhaus in-die Säle!- Der grosse Tanzsaal ist der Clou: Empire, Silber mit Violett; und die Lust res spenden ein Licht, das sonnenklar die Farben der Toiletten" umfliesst. Solch ein Bild kennt der B. J. G. noch nicht. Diese Exclusivität . des Publikums, diese Vornehmheit der Räume und über allem, von. Beginn an edle jungjüdische Stimmung. Keine Unebenheit, kein Anstöss. kein. Misston. Alles dies dank einer mustergültigen Disziplin, die sich überall leise und doch bestimmt fühlbar macht und an die sieh selbst das fremde Publikum gewöhnt. hi einer knappen Stunde sind annähernd 6"00 Gäste., bei-., sanimen. Pünktlich kann, die Operette beginnen, das Haus-gerät in. Premierenstimmung; denn ein Orchester von ".12 Mann "bringt die reizende, sprudelnde ■,.ieeitime,t Ouvertüre zu unserem Fest- » i ' - o - spiel „die fixe Idee": Franz Bayrum — e[n Rabbinatskandidat und armer Schlucker — wirbt um ein vermögendes Mädchen; Msie-.kriegen sich" schliesslich nach allerhand lustigem Drum und Dran und nachdem Bayru'ms enorm reicher Onkel gestorben ist,