Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 6 (21.9.1910)
- Date
- 1910-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jadische Student. 157 unerbittlichen Ernste ■ und " der grossen Leidenschaft unserer Liebe zu. ihm:. Ist es möglich, dass das Judentum dem Modernen - und dem Modernsten' unter uns wieder Erlebnis werden kann? Da ist's! Und meine Antwort ist ein hallendes: Ja!- , Um* aber' dies zu erreichen, ist es nötig, dass nicht nur die ."zweitausend Jahre überwunden werden, in denen das Judentum zum Talmud Ismus erstarrt ist. Sie sind .-schon überwunden, , Sondern / vor a'lem, was viel schwerer ist: Dass der moderne liberale Tal- ' _ mudismus -der Ethik des Judentums, der Talmudismus der konfessione*len Glaubenslehrenreligion gebröchen wird.. Denrv dies muss festgehalten werden: Als die Formen des Ritualgesetzes ahge- . worfen wurden, da war es, als wenn ein Joch brach. Aber es war das* hölzerne Joch.Jeremias/ das fiel. Heute tragen wir das eiserne . eines viel, starreren Dogmas: Das ist das Dogma eines religions/ '..philosophisch ethischen Systems, das wir uns eingeschnürt in die ''.spanischen Stiefel der Begrifflichkeit als Religion auftischen lassen und als Judentum hinnehmen. Dieser reformerische Talmudismus muss fallen. Er muss, damit das Judentum nicht nur seine Reform/ soncern seine Reformation erlebe.. Das Judentum muss wieder flüssig werden. Erlebnis ist Be- - wegung. .Und Bewegung, das ist Religion. : Erlebnis ist Schöp- ■ fung» Und schöpferisch soll Jsrael wieder werden. Das ist die Reformation, die ich will. Erlebnis ist Bewegung, und Bewegung ist Religion. Ein ewiges Ringen, Suchen, Tasten, -Finden und wieder Verlieren und. wieder Gewinnen. " Religion ist nie zuende. Immer -wieder neu. " Ihre Erschütterungen "sind ihr Leben. So erlebtendie'Propheten, die Ps.almisten" ihre Religion, Da war nichts Reales um sie herum, das sie nicht in den Strom ihrer Seele hineinrissen, Sie lebten Natur,-lebten ihr . Volk, lebten seine Geschichte. Mit 'allen Sinnen und allen . .Krähen. ' ■ ■' .-•'." '; . ' Wo ist heute der Jude, dem das, was Jsrael "erlebt, persönlichstes Erlebnis ist? Der in der Geschichte seines Volkes die Geschichte, seiner Seele fühlt? Und in den Hoffnungen "Judas seine~ " Hoffnungen? Es könnte ihn . geben.. Aber ein HemmnisMst da." "Das liberale Judentum kennt kein Jsrael -mehr, sondern nur eine mosaische Konfession, keine Geschichte des jüdischen Volkes, sondern nur eine .Geschichte der israelitischen Glaubenslehre. Volk und Geschichte wurden dem' Moloch Gleichberechtigung ' geopfert. Der moderne Jude erlebt seine innersten Erlebnisse nicht im .Judentum, ''sondern abseits vom Judentum. Erst wenn Jsrael als Volk wieder ein religiöser Wert wird geworden sein? wird dem Juden" seine .Religion wieder Erlebnis werden können. .; . Erlebnis aber ist' auch Schöpfung. Und. schöpferisch soll Jsrael wieder. werden. Aus den Erlebnissen .der Propheten sprang unbewus^t aber notwendig'ihr .sittliches Werk. Sie, die die Knochen "... Jsraeh? waren/mit denen dieses Volk das Wetter spürte, die Schwüle,, den .nahenden .Sturm, den - schlagenden Blitz, sie. waren auch ' das