Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 6 (21.9.1910)
- Date
- 1910-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. der Religion mit den ethischen;Gedanken, das sei die' Reformation . des Judentums .gewesen,, das seisie - noch heute. Es liegt eur. Schein von Wahrheit in diesen Argumenten. In der Tat hören wir heute im jüdisch:liberalen Lager kefrioTi^e griff" häufiger erörtern, ah den derEthik des Judentums4'.', und die „Anknüpfung an die Propheten" scheint wirklich Programm, und nicht blos Phrase- -zu sein. Wenn wir uns aber wieder auf den einzig möglichen, den historischen Standpunkt stellen und betrachten, . wann und wie »es eigentlich' gekommen ist, dass die Ethik; des Judentums so in den -Vordergrund unserer religiösen Predigt geschoben worden ist,, so kommen wir zudem überraschenden Resultate, dass - es' wieder der Zeitgeist, die Tendenzdes"Zeitg-emässeh' war, die sie auf das Banner der Neuen geschrieben hat. Die Hervorkehrung der Ethik erfolgt nicht auf re.duktivem, sondern auf apologetischem Wege. Die Entwicklung des modernen. Protestantismus war es, die hier den Anstoss gab und Massstab, wurde. De? junge. Protestantismus begann, seine Dogmen immer mehr zu verflüchtigen, und zu erkennen, dass, wie man sich ausdrückte, der Schwerpunkt der Religion in der Sittlichkeit -.liege. Diese Parole erweckte auch die jüdische-Theologie.. Der Protestantismus nähert sich dem Judentum,, hiess' es da. Wieder ein;.Schritt zum Gottesreich! Und als nun die zahlreichen-Versuche begannen, das Wesen des Christentums als ein Wesen, der christlichen Sittenlehre darzustellen, da. kam es wie. eine Reflexbewegung aus dem jüdischen Lager: Der Nachweis wurde erbracht, dass die christliche Sittenlehre nichts anderes sei, als ein. Abklatsch der jüdischen, dass■. Jesus , in Wahrheit nichts, anderes. gelehrt habe, als was vor ihm und mit, ihm die Pharisäer alle lehrten. Der Beweis gelang. Und dann kam Moritz Lazarus mit seinem ersten Versuch, die. Ethik des Judentums als System -darzustellen. Ich will hier nicht darüber streiten, . ob dieser Versuch;'überhaupt.'gemacht" werden durfte, sondern ihm zugestehen, dass, wie er sagt, „die Kontinuität in der ethischen SchöpfLingstätigkeit des jüdischen Geistes die Berechtigung gebe,, die in zahllosen. Quellen zerstreute, immer nur in' vereinzelten Aussprüchen zur Erscheinung kommende Sittenlehre des' Judentums zu einem vollständigen, geschlossenen System der Ethik verarbeitend zu gestalten." Aber das eine ist doch klar : die Tendenz zur Ethik kam nicht von 'innenheraus,, sondern .wieder wie alles, von1 aussen herein. .'War keine Gemütsoffenbarung, die einem religiösen Be- - dürfnis'entgegenkam, sondern nichts als-" Apologetik. .'Deshalb fällt ihr religiöser. Wert' für uns• zusammen ' mit dem Werte der Apolo- . getik. .-. ...... Nicht; dass ich den Wert dieses theologischen Zweiggebietes/ verkennte. Eine gute Apologetik hebt den.Stolz- und kann so auch - einen, innerlichen Wert haben.. - Und gern erkenne . ich:' a>ij dass Werke vom Schlage des Lazarusschen' ■ manch.es zur Stärkung des : jüdischen Selbstbewußtseins im letzten Jahrzehnt beigetragen .'.haben,- . Aber schlimm ist es, wenn in einer religiösen 'Reform von der. Re\