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Der jüdische Student · 1910-09-21 · Heft 6 (21.9.1910) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
7 (1910-1911)
Issue
Heft 6 (21.9.1910)
Date
1910-09-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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154 reltgio;Vv crcschaffen; zu haben. Das unreelle"Geschäft, in dem wir materielle Dinge mit dem Kaufpreis hoher Ideale erwerben wollten, hat sieh mit einem moralischen Bankrott gerächt. In dem blinden Streben nach Zeitgcmässheit haben wir die religiösen Beziehungen verloren, und die materiellen Beziehungen konnten wir trotzdem niel.it zu fassbarer Gegenwart machen. Sondern sie fielen in eine'* Unberechenbare Zukunft: Die Materie wurde Ideal. Nachdem wir hundert Jahre langnichts Höheres, . nichts Idealeres gefunden? haben, als das, was unsere, christlichen Mitbürger . schon besitzen, ist unsere Sehnsucht erlahmt, etwas darüber hinaus zu wünschen,- und wenn wir. heute alles das erreichen würden,-was jene als natürlich angeborene Rechte ihr eigeii nennen, bliebe uns wahrlich nichts mehr-zu wünschen übrig.*. In der Tat spielt im -Denken der deutschen Juden heute, die Gleichberechtigung die Rolle . des Gottesreiches. Wird sie gewährt, so ist das. Gottesreich da, die Profetie erfüllt. Die-'Gleichberechtigung" ist also ein . religiöses Ideal geworden. Sie giebt heute den Gesichtswinkel an in Bezug auf das, was': "als zum Wesen des Judentums gehörig bezeichnet werden muss und w£s. nicht- Sie giebt an, wie reformiert werden muss und -wie nicht. Sie ist der Inquisitionsnchter in Bezug ^auf Rcchtglaubigkeit und' Ketzerei. Und sie ist ein* Idea^. das Opfer fordert. Sie. ist der Götze, dem .wir seit 100 Jahren' geeiert haben, t wahre Hekatomben von Menschenopfern; Charakter, Seele, alles haben wir im Kampfe für dieses materielle Ideal hingegeben. Und die Reinheit unserer Religion dazu. : " V So erweist sich dem Einsichtigen, was wir präsumierten: dass ."nämlich die. jüdische Reformbewegung im 19. Jahrhundert /und das in ihren Bahnen wandelnde liberale Judentum nichts als Kritik brachte und nur revolutionierend Wirkte. Revolutionierend in Bezug' auf die religiöse' Form des talmudischen Judentums, " revölutiö^- nierend aber auch in Bezug auf den" uranfänglichen Gehalt unserer^ Religion. Von einer Selbstbesinnung, einer Reduktion, einer Wiederbelebung biblisch religiöser Werte war keine •Rede:*'"Das liberale Reforrnjurientum: unserer Zeit ist ein frei in der-Luft schwebendes, aller "historischen"-Wurzeln entbehrendes Gebilde. , ... Es entspricht nur einer einfachen. Gerechtigkeit, wenn wir nunmehr die Einwände hören, die das bewusste, liberal-rcformerische" Judeimmr auf .'diese Behauptungen zu machen hat. Es sei -nicht wahr, vernehmen wir da, dass die Reform, vvie sie von Geiger und Holdheim-inauguriert worden ist, nichts, als .zersetzende Kritik gewesen ' sei.-; Besonders Holdheim; sei es gewesen, der immer wieder betont -habe, dass die Reform nichts, anderes als eine1 Anknüpfung, an das biblische Judentum sein soll. So -sei die Reform in der--Tat Red üc tipp, und .'damit Reformation gewesen. -Und würde die poskiv schöpferische Arbeit des Reform-Judentums bezweifelt, so genüge der Hinweis auf die E th-i k de s J u d e n t u m s die immer schärfer, immer ausschliesslicher betont zu haben, das Ver: dienst eben, des Relormjudentums gewesen sei. Die Durchdringung

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