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Der jüdische Student · 1910-06-21 · Heft 2-3 (21.6.1910) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
7 (1910-1911)
Issue
Heft 2-3 (21.6.1910)
Date
1910-06-21
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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62 Der jüdische Student. vornehm ist, den Leuten jede Freudigkeit der Arbeit zu rauben, die man doch nicht entbehren kann. Als ich den Kartelltag verliess, da erlebte ich ein ähnliches Gefühl der Enttäuschung, wie ich es in Hamburg auf dem Kongresse einmal erlebt halte. Bis ich nach Hamburg kam, hatte ich geglaubt, dass für jeden, der sich Zionist nennt, dieser sein Zionismus eine höhere Auffassung von Disziplin mit sich bringen müsste und dass er eben durch seinen Zionismus das leider so sehr jüdische Kritikastertum überwunden haben müsse. Auf lein Kongresse wurde ich eines besseren betehrt. Da merkte ich, dass für manche Zionisten ihr Zionismus noch nicht genügend richtunggebend ist, um ihr ganzes Wesen umzumodeln und zu beherrschen. Aber, so dachte ich damals voll Stolz, wir deutsche Zionisten sind doch bessere Kerle, und ich pochte auf' unsere sogenannte politische Schulung. Und nun haben wir diesen K. T. erlebt, haben gesehen, dass wir, die wir doch einmal die zionistischen Führer Deutschlands werden wollen — und das -wollen doch wohl alle unsere Bbr. Bbr. — in unserer politischen' Entwicklung auch noch nicht einen Schritt weiter sind als-die ach so viel geschmähten Russen des letzten Kongresses. Und das war das Betrübliche an diesem K. T. Wahrhaftig, wir haben noch viel zu lernen. V , E*r- Arnold Hildesheimer (Maccabäa). Aus einer stillen Welt. (Erzählungen aus der modernen jüdischen Litteratur. .. . Eingeleitet und übersetzt von Theodor Zloeisti.) Eine Impression von Arnold Kutzinski. Wir suchen nach Erfüllung unseres letzten Berufes: Wir taumeln durch das Leben, zwecklos und tastend. Wir arbeiten, wveil wir arbeiten müssen. Wir essen^ weil wir essen müssen. Und wenn wir nicht arbeiteten und nicht ässen, was würde sein? Wir sind das Volk des Fragens. Wenn man uns eine Frage stellt, stehen wir Rede mit einer Frage. „Sprache ist kristallisierte Volksseele." Unsere Tendenz zur Frage ist nur der Ausdruck ^unseres Suchens. Wir suchen einen Boden, auf demwir stehen können, ohne zu. versinken. Viele wollen nicht wissen, dass sie auf wankendem Grund stehen, und sie übertünchen ihr Sein mit den nüchternen Fragen der Aufklärung. Viele blicken an ihrem Selbst vorbei; sie wollen. Befreiung von Elend und damit zugleich Erlösung von ihrem Volkstum. Andere wollten sich finden und suchten sich nicht. Sie konnten es nicht, weil sie einsam stehen, wurzcllocker. Zu diesen gehören viele westeuropäische Zionisten. Endlich gibt es wenige, welche den Weg zu sich, „den Heimweg" fanden. Sie gingen zur Mutter und lauschten der Spräche der Mutter, dem ,,Mameioscheji.~ Ein seltsames Klingen

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