Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 2-3 (21.6.1910)
- Date
- 1910-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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46 Als erster Redner zur Sache sprach ebenfalls Weill, der ohne zur Frage der Resolution selbst Stellung zu nehmen, in einer langen Rede schwere Anklagen gegen da^ Ir^idium richtete. Das Präsidium lehnte es ab, schon jetzt auf d esc Vorwürfe zu antworten, weil sie zum 2. Punkt der Tagesordnung geh'.rten, und somit begann erst hierauf die eigentlich sachliche Debatte. Es kann unmöglich Aufgabe eines kurzrn Berichtes sein, auch nur eine Inhaltsangabe der "gehaltenen Reder. zu geben. Das muss dem ausführlichen Berichte überlassen bleiben. Der Gang der Debatte war so, dass zunächst alle diejenigen das Wort bekamen,, deren Verein einen Antrag zu diesem Prikte eingebracht hatte; es waren dies die Vertreter der Vereine Berlin. Freiburg, Bonn und Marburg. Hierauf sprachen in bunter Reihenfolge Anhänger und Gegner der Resolution. Im ganzen sprachen der Reihe nach für die Aufhebung der'Resolution: Greifenha^en, Zadik, Gottschalck, Nathan, Rosenkranz, Nothmann, Zlocisti. Fuchs, Löwer .Dukas, Berlowitz; für die Beibehaltung: Hildesheimer, Lewinsohny Danziger, Erich Cohn. Von den zahlreichen Anträgen, die zu Punkt 1 der Tages- Ordnung gestellt worden waren, blieben schliesslich nur zwei übrig: ein Antrag des Präsidiums, welcher die Resolution aufheben sollte, aber gleichzeitig die Erklärung der Delegierten des 7. o. K. T. ' zur Tendenzfrage in Erinnerung brachte und besagte, dass die .^Arbeit im B. J. C. noch heute in demselben Sinne geleistet werden müsse, und ein Antrag, der auf Anregung Zwirns gestellt wurde, wonach im B. J. C. der Status quo ante 9. K. T. wiederhergestellt werden sollte. Mit dem letzteren Antrag erklärte sich auch das Präsidium einverstanden, wofern er einen Zusatzantrag des Inhalts erhalte, dass die durch die Erklärung sämtlicher Delegierten des 9. K. T. geschaffene Situation hierdurch nicht geändert werde. Die Abstimmung, bei welcher der Antrag mit und ohne Zusatz als zwei verschiedene Anträge aufgefasst wurden, ergab das überraschende Resultat der Ablehnung beider Anträge. Die Resolution blieb also zunächst bestehen, obwohl die überwiegende Majorität der Delegierten ihre Aufhebung wünschte. Dieses eigenartige Ergebnis, dass keiner der beiden Anträge eine absolute Majorität fand, war darauf zurückzuführen, dass einige Delegierte gegen beide Anträge stimmten und einige es mit ihrer Ueberzeugurg nicht vereinbaren zu können glaubten, nachdem der Antrag ohne Zusatz abgelehnt war, nun für den andern zu stimmen. Es wurden nun sofort zwei neue Anträge eingebracht: ein . Antrag Zlocist, welcher die Breslauer Resolution glatt aufheben wollte, und ein Antrag Zwirn Löwe, welcher : olgenden Wortlaut hatte: „In Würdigung der bisher geleisteten Arbeiten im B. J. C. und in der Zuversicht, d?.ss die auf früheren Kartclltagen gegebenen Erklärt» n ger? und Interpretationen hinsichtlich unserer KarteIUt.uv.ten genügen, stellt der K. T. den Status quo ante 9. K. T. wieder her und er-