Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 2-3 (21.6.1910)
- Date
- 1910-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-44 Der jüdische Student durch ihn wieder für das Judentum interessiert oder gar für die national jüdische kh*e gewonnen worden. Doch es mag viele geben, die als Menschen und Juden so viel gewesen sind wie er, wenige aber, denen man daneben eine schöpferische Betätigung auf dem Gebiete der Kunst nachrühmen kann. Man schätzte nicht nur seinen Charakter und seine Anschauungen, man bewunderte auch allgemein seine genialen Zeichnungen und Entwürfe. Dieses künstlerische Schaffen war seine liebste Erholung, und so glaubten wir ihm dadurch das würdigste äussere Denkmal zu setzen, dass wir einer Stiftung, 'die zugleich der jüdischen Renaissance und der Kunst dienen soll, seinen Namen gaben. Was ihn dem Breslauer Verein unersetzlich macht, ist der Umstand, dass er alle seine hervorragenden Fähigkeiten jederzeit und in erster Linie in den Dienst des Vereins stellte. So sehr war ihm die Vereinsarbeit zur Gewohnheit und zum Bedürfnis geworden, dass er nicht selten auch die Rücksicht auf seine stets etwas labile Gesundheit hintansetzte, die ihm besonders während des K. T. Semesters einige Schonung auferlegte; dennoch ist gerade in diesem Semester alles, was überhaupt getan worden ist, seinem unermüdlichen Interesse, seiner Tatkraft und Initiative zu danken. Sein nimmer ruhender Geist, gepaart mit gründlichster jüdischer Durchbildung, hat einen grossen Teil unserer Vortrags- und Diskussionsabende bestritten, und in den letzten Semestern ist er als ständiges Mitglied der wissenschaftlichen Komm;ssionen der Spiritus rector aller wissenschaftlichen Vereinsarbeit gewesen. Seit er aktiv war, wrar es für uns und unsere Gäste eine Selbstverständlichkeit, dass alle Bier- und Festzeitungen, alle Hobelbänke und Bierdramen, an deren Vortrefflichkeit man sich erfreute, ausschliesslich oder zum grössten Teil von ihm stammten; er war unser Hauspoet und Hausmaler. Selbst für technische Arbeit hat er bis . in die letzte Zeit, speziell vor dem K. T., -Zeit gehabt. Und mit besonderem Stolze dürfen wir sagen, dass er sich nirgends wohler fühlte als im Kreise seiner Bundesbrüder; mit der Regelmässigkeit eines Aktiven erschien er noch a!s Inaktiver bei alten Ver- ' anstaltungen, bis ihn sein tückischer Gelenkrheumatismus im April auf das letzte Krankenlager warf; in den letzten Tagen noch weilten seine Gedanken bei uns. So kommt es, dass er auch mit dem jüngsten Fnxen stets Fühlung hatte, dass auch alle jüngeren. Bundesbrüder ihm als Freunde nahe getreten sind. Sein Hinscheiden bedeutet für jeden von uns einen persönlichen schweren Verlust, und unser einziger Trost ist der. dass der Tod ihm eine Erlösung gewesen ist. In unserer Erinnerung .wird er ewig leben. S. B.