Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 2-3 (21.6.1910)
- Date
- 1910-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537678-3537681--1511-3539613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tttonateförift bcs Suuöcs Jübber Korporationen 7- 3at>rg. Serün, 21. Juni J9JO. .5o.. 2/3. Ludwig Buttermilch. Geboren am 6. Juli 1S87, gestorben am 25. Mai 1910. Als uns. im Marz lt09 der Besten einer, Prof. Benno Badt, durch den Tod entrissen wurde, da glaubten wir für lange Zeit dem Schicksal unsern Tribut entrichtet zu haben; nun hat es bereits nach Jahresfrist ein noch schwereres Opfer von uns gefordert. Schwerer, weil mit Ludwig Buttermilch nicht nur ein treuer Gesinnungsgenosse, ein guter Jude und ein edler Mensch, sondern auch jedem einzelnen von uns ein lieber Freund *dahingegangen ist. Die Persönlichkeit Benno Badis, des Sechzigers, konnte uns Jungen nur Gegenstand der Ehrfurcht sein; was uns mit unserem Luz verband, war die Liebe gleichaltriger Gefährten in Freud und Leid. Beim er gehörte zu den Menschen, die jeder, der sie überhaupt einmal näher kennen lernt, lieb gewinnen muss und an die jede]' sich gern ausehliesst; zu den seltenen Menschen, die nur Freunde, keine Feinde haben. Wie allgemein er auch ausserhalb des engeren Kreises seiner Freunde und Bundeshrüdcr geschätzt und geliebt wurde, das demonstrierte die imposante Menschenmenge, die ihm das letzte Geleit gab, das hörte man heraus aus dem aufrichtigen Schmerze, mit dem auch Ferncrstehende von seinem Tode sprachen. Wer mit ihm in Berührung kam, wusste seine persönliche Liebenswürdigkeit und Gefälligkeit zu rühmen, bewunderte die Schärfe und Regsamkeit seines Geistes. Wer noch ein Interesse am Judentum hatte und sich in irgend einer Weise dafür betätigte, fand auf jedem Felde jüdischer Arbeit Ludwig Buttermilch als Bundesgenssen vor, der nicht nur Interesse, sondern auch, trotz seiner sonstigen Inanspruchnahme, stets Zelt für praktische Arbeit hatte. So hat er, um nur einiges zu erwähnen, für die durchreisenden Flüchtlinge von Kischinew eine ständige Bahnhofswache organisieren helfen, so hat er bei den Vorarbeiten für einen Jugendverein eine massgebende Rolle gespielt, Vorträge in jüdischen Vereinen gehalten. Speziell der Zionismus verliert in ihm einen begeisterten Anhänger, einen eifrigen und geschickten Arbeiter; schon als Schüler ist er durch gewissenhafte Beschäftigung mit jüdischer Wissenschaft und dem Problem der Judenfrage Nationaljude geworden, und so mancher ist dann