Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 1 (27.4.1910)
- Date
- 1910-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Der jüdische Student. Jedoch so konsequent ist nur ein Teil.der Orthodoxen. Es gibt auch Leute, die sich gleichzeitig als Orthodoxe und Zionisten bezeichnen. Aber eine dieser Bezeichnungen verdient dann immer in Anführungsstriche gesetzt zu werden, denn beide können nach dem historischen Sinn dieser Wörter, (wie er auch von dem orthodoxen Nichtzionisten Wohlgemut „Jüdische Presse" 1908, S. 272 anerkannt wird) nicht stimmen. In der Literatur ist es nun ergötzlich zu beobachten, wie die verschiedentlichen Orthodoxen ihre Standpunkte darlegen. Die orthodoxen .„Zicnisten" bemühen sich ängstlich, ihren Zionismus mit ihrer orthodoxen Gesinnung in Einklang zu bringen; den orthodoxen Nichtzionisten ist es doch etwas genierlich, eine so eminent iüdische Bewegung ablehnen zu müssen; so kommen sie mitunter zu merkwürdigen Rechtfertigungen. So sagt zwar Seligsohn (Stimme der Wahrheit 1905, Religion und Zionismus) ganz richtig und vollkommen dem Wresen des Orthcdoxismus entsprechend: „Ein Judentum, dessen'. Mittelpunkt nicht die iüdische Religion ist, ist für die Orthodoxen, für jeden wahren Juden undenkbar" (S. 318 Abs. 4). „Alles Nationale beruht bei uns auf der Religion" (S. 320, 1. Satz), „Alle Staats-, aber auch alle Lebensinteressen des unabhängigen jüdischen Volkes müssen von der Religion ausgehen und in ihr münden^ (S. 320 Abs. 2). Aberer nimmt auch keinen Anstand'zu sagen: „Das Judentum hat nur ein einendes Band, das ist die Religion; das Bekenntnis schafft die ethnographisc. heEinheit, d/ejüdische. Nation" (S. 319 unten), womit glücklich alle Grundsätze logischer Erkenntnis und soziologischer Entwicklung auf den Kopf gestellt sind; denn bisher hielt man das umgekehrte Verhältnis für richtig. Aber was tut man nicht alles, um' die Orthodoxie zu rechtfertigen! Was die orthodoxen „Zionisten'1 anbelangt, so handelt es sich wohl teilweise um Unklarheit und Verschwommenheit, die den fundamentalen Unterschied zwischen dem [nationalen] Zionismus und dem Orthodoxismus übersieht. Teilweise mag, wie aus einigen Steilen des bekannten Rothschen Büchleins „Der Zionismus" hervorgeht, der wunderbare Glaube herrschen!, dass die nichtorthodoxen Zionisten zur Religiosität könnten zurückgeführt werden. Zum grösseren Teil aber liegt die starke Beteiligung der Orthodoxen an der zionistischen Bewegung daran, dass sie einfach unter „Zionismus" etwas anderes verstehen als sein Schöpfer und seine nichtorthodoxen Anhänger, nämlich einen Zionismus, dessen einstweiliges -Ziel zwar der Staat, dessen Palladium im letzten Grunde aber nicht mehr der nationale, sondern der religiöse Gedanke ist und' dessen Endziel die Herrschaft der Religion ist. — Das ist aber so wenig ein echter Zionismus wie der Orthodoxe ein echter Naticnalinde ist. Dei-Nationalismus" und „Zionismus" des Nichtorthodoxen ist eine Liebesehe (—um der Nation willen); DerNationalismus" und „Zionismus" des Orthodoxen ist eine Vernunftsehe (— um der Religion willen). Für den einen ist die Territorialnation um ihrer