Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 1 (27.4.1910)
- Date
- 1910-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Der jüdische Student. wollte es. nicht im Völkergemisch Vorderasiens verschwinden, aut eine Konsolidierung seiner geistigen und körperlichen Kräfte bedacht sein. Es handelte sich um den Schutz des Jahwe-Dienstes und wohl auch um nationale "Einigung. Das geschah durch eine grosse Reihe praktischer Vorschriften, die das Leben des Individuums bis in die letzte Faser durchdrangen (besonders in der späteren-Ausbildung) und es vorr dem des Andersgläubigen unterschieden. Diese Satzungen waren eine geistige Uniformierung, die in ihrer demokratischen? Nivellierung einem vielleicht vorhandenen jüdischen Charakterzuge . entgegenkommen. Vor allem aber waren sie ein Panzer, der es den Juden ermöglichte, den umliegenden Völkern und ihren Kulturen zu widerstehen. - . . 1; Das ist die Stärke und Schwäche des Orthodoxismus. Ter hat seine Stärke gezeigt in den Leidenszeiten des Volkes, seine Schwäche - in den guten Jahren. Die Völker, die zur Zeit Esras Judaeas Nachbarn waren, standen sämmtlich auf einer Kulturstufe, die meist nicht entfernt an die hohen sittlichen Jdeale der Juden heranreichte. Gegen sie war das Gesetz ein Panzer. Ebenso waren körperliche Gewalt und Drohung, Schmerzen und Tod nicht Imstande, den Panzer zu durchbrechen. Verachtung und liass, Armut und Dürftigkeit, alles hilft das Gesetz tragen. Aber sobald eine überlegene Kultur, eine geistige Macht angreift, da erweist sich die scheinbar undurchdringliche Rüstung als untauglich. Das zeigt sich in der griechischen, in der spanischen Epoche, das zeigt vor allem die Gegenwart. Der Orthodoxismus ist eine Notstandserfindung, kein in sich begründeter - und verankerter Gedankenkomplex. Er ist in seinem Wesen nach gegen eine feindliche äusserliche Gewalt gerichtet/ und wo diese fehlt, bedarf es nur noch der draussen lockenden Kultur—und es beginnt das Abbröckeln vom Felsen des Judentums. Sturm und Wetter kann der Orthodoxismus vertragen, aber nicht die Sonne. Damit ist erwiesen, dass der Orthodoxismus dem Judentum keinen wirksamen Schutz gegen Auflösung gewährt, also im letzten Grunde nutzlos ist: nutzlos auch für die Religion, denn diese braucht Bekenner. Er setzt voraus, dass es dem jüdischen Volk schlecht geht. Damit seilte schon gezeigt sein, dass er an bestimmte Verhältnisse und Zeiten gebunden ist, wie andere Gesetzgebungen auch. Denn die normale Lage eines Volkes ist doch nicht, dass es unterdrückt wird und leidet. - Aber der Orthodoxismus ist nicht nur ohne Nutzen (negativ -. Schlecht), er ist sogar vom Standpunkt des Nationalen schädlich (positiv schlecht), und hier beginnt er "recht eigentlich für den Zionisten w ichtig zu werden, der die orthodoxen Juden zu Zionisten machen will und muss. Um es gleich heraus zu sagen, der jüdische Orthodoxismus ist r*Jit national. Man kann noch weiter gehn und sagen: jüdischer Orihodoxivmus und Nationalismus sind sich ausschliessende Begriffe.