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Der jüdische Student · 1910-03-24 · Heft 11-12 (24.3.1910) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 11-12 (24.3.1910)
Date
1910-03-24
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Der jüdische Student. 279 ser, der Nichtausredenlasser. Wir legen in der panischen ebenso wie in der gesellschaftlichen Eisenbahn unsere Stiael auf die gegenüberliegende Dank, ziehen sie crselirocken zurück, da ein neuer Gast hereinsteigt, um sie-mit dem klassischen ,,A sei V% der Nichtachtung wieder in jene unanständige Lage zu bringen, da sich herausstellt, dass der andere ja auch;,nur ein .lüde'4 sei. Unser von den Feinden geschmähtes, von uns selbst gepriesenes Zusammenhalten :ist in Wahrheit nur ein Zusammenstecken. Wir kennen keine Autorität als die Autorität des Erfolges. Und selbst diese Autorität lassen wir für nichts gelten als ein Aushängeschild, eine Dekoration. Wir verteilen Orden, keine Macht. Das ist bitter, und ich weiss, «manch einer wird es mir nicht danken, dass ich hier die Wunde so bloss gelegt habe. Aber es ist so, bei Goti, es ist so: Vom Tiefsren bis zum Müch- .sten, vom Kleinlichsten bis zum Idealsten, vom JOiiileniachlükes'' bis zum politischen Kampf, wir sind das Volk ohne Autoritäten. Und weil es so ist, darum sind wir heute für che jüdische Politik unbrauchbar, sind wir ohnmächtig, unsere Rechic zu erlangen, und ohnmächtig, im Innern ein gesunde, jüdisches Leben zu entfallen. Wir haben wohl grosse Organisationen, aber esfehlt ihnen die Stosskraft. Die Alliauce Israelitc universelle, die räch dem grossen Worte ihres Begründers Cremienx dazu bestimmt sein sollte, das gouvernement, die Regierung des jüdischen Voltes zu sein, das repräsentierende Sprache.rgan des -Judentums den europäischen und den anderen Regierungen gegenüber, sie ist eine Sammelbüchse für kulturelle Zwecke geworden, leistet als solche nnnches Gute, aber das wahrhaft Gn.sse ist klein geworden. Wo ist du: deutsche Judentag, den einer der besten unter uns plante? Die grosse Idee ist in dem kleineu Rasten de.s \ e: beudes der deüi.sehen Juden eingesargt worden. So geht us den grossen Ideen unter uns. Aber es komme andersein. Wenn wir ein Minnesideal hätten, ein Erziehungsideal, das nicht bloss darauf zielte, dass der Junge möglichst weit im Leben komme, eine möglichst gite Heirat mache und möglichst angesehen und reich werde, sondern vor allem darauf, dass er zu einer Vollnatur wachse, dass er ein .l'ann werde, der Respekt hat vor der Mandiatiigkeit des anderen; eirjuäe, der in dem anderen nicht den sieht, der auch nur ein Jude ist. sondern den Mann, um de?} der Dannkreis der Persönlichkeit gezogen ist, vor dem es „Halt!1' heisst und „Hut ab!" für den Kaiser seihst; ein Jude, der weiss, was es heisst, Distanzen zu haben und Pisiuizen zu respektieren, was es heisst, einer Autorität zu dienen iVit Vertrauen und Hingabe; ein Jude, dem endlich die Erkenntnis aifgedämmert ist, dass uns Juden nicht zu helfen ist ohne den Gedaiken der Organisation, und dass Organisation undenkbar ist ohne D'BzipIin, d. h. ohne die Zurückhaltung, die Selbstbeherrschung und dielhcht eines jeden. Das, denke ich, ist ein klares Programm. Vielleicht zu klar für manchen. Ich habe heute freilich nur auf der G-Sere die tiefe, herbe Melodie des Lebens und der Wahrheit gespielt, 'zum ersten Male

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