Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 11-12 (24.3.1910)
- Date
- 1910-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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260 Der jüdische Student diese Melodie. Sie mag traurig sein. Aber nachklingen soll sie. Und wer Gehör hat, der spiele sie mir nach. Wenn sie doch recht populär würde, diese Melodie! Wer Ochur hat, wird freilich noch etwas anderes herausgehört haben aus meinem Spiel, als den Ton der Bitterkeit über etw as, was uns fehlt: Pen Ton der Liebe. Und wenn er mir die Melodie nieht nachspielen kann mit diesem Ton der Liebe, wenn er sie nur als einen danse maccabre oder gar nur als einen spöttischen Gassenhauer herunterhauen kann: Zum Teufel erst das Instrument, Zum Teufel hinterdrein den Sänger! Wer aber ganz deutlich hingehoreht hat. der muss noch ein drittes vernommen haben: Den Ton der Hoffnung. Ich glaube, -dass es besser werden wird. Hätte heute nicht gesprochen, wenn ich es nicht glaubte. Warum glaube ich es? Weil wir Juden wohl Fehler haben, Erziehungsfehler, der Grund aber in uns, der Rohstoff, das Metall unseres Lebens, das ist herrlich. Wir haben Idealismus und Opfermut, wir haben Begeiferung und Hingabe, Leidenschaft und Geduld. Komm: die Selbsterkenntnis hinzu, so haben wir zum Metali noch den Hammer und können uns unsere Zukunft schmieden. Und wie wird diese ZiiKiiim aussehen? - ■- Dieses Jahr Knechte, künftiges Jahr Männer, freie Männer! Mitteilungen. Herl in. Das Vereinskben ver!:mft innerlich wie äußerlich gleichmiissig, und es genügt daher, ihr '! ats.iehen zu berichten: Am 2m Januar feierte der R. J. C. Berlin sein Winterfest in Form einer Redoute in BlauAYeHs-Gelb, nie ausgezeichnet verlief. Am 1. Februar hielt Bbr. Lewinsohn einen Vortrag über „Moses Hess", am 3. Februar nahmen wir an einer überaus misshmgenen jüdischen Akademikervei-.Sammlung teil, die von der Hasmonaea in rührender Zähigkeit trotz der althergebrachten Misserfolge solcher Versammlungen einberufen war. Am 15. Februar hHt Martin Ruber einen Vortrag über den ,Sinn des Judentums*', in dem er ein prachtvolles Bild des Seins und Wesens des Judentums, ein scharfes Bild des inneren Gehalts in grossen Zügen gab. Wieder war es erfreulich festzustellen, wie sehr auch diese Veranstaltung dank der Persönlichkeit des Vortragenden eine grosse Zahl gerade älterer Bbr. Bbr. auf unsere Kneipe gelockt hatte. Persönliches: A. IL Dr. Alfred Manassc har sieh in Posen, Neuestr. 2, als Rechtsanwalt niedergelassen. A.. H.iert wurde I. A. IL Alfred Schwarz, der sein medizinisches Staatsexamen mit ^Gutc bestanden hat.