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Der jüdische Student · 1910-03-24 · Heft 11-12 (24.3.1910) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 11-12 (24.3.1910)
Date
1910-03-24
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Der jüdische Student. und 6?.> konnte uns auch in bösen Ghettotagen zu widerstandsfähigen Individuen erziehen. Aber nur fürs Ghetto, nicht Sir die Gesellschart. Xicht zu einem :;- //7>./Av AV>v ün Sinne iinseier Zc it. Wir fmktuieren*. Unsere Goselschaftskrei.v: entbehren kglicher Gliederung. Wir sirb bn Ab per ohne Gerippe. Die Knoclunlosigkeit ist unser Fluch. Der sezlbe Aren den wir darstellen, wird noch durch das geselischzbiche Em pord rängender niedrigKen in die höchsten Kreise \oll;:-;- s-en gemab'. Aber wo es keine Gliederung gibt, gib! es ancli ' bc Fingnedcnmg, und wo keine'Ordnung ist, da lernt man auch nies . sLk imierztiordnen. Die Unbesimiiiharkeit und Unbegreszjv.r'-A.. unsere; jüdischen Kreise ist somit der historische Grund dafür, dass dem Juden so sein* die gesellschaftliche Zucht abgeht: Ar wbs;- ubb, w:.: die Grenzen sind, weiss nicht, wie weit er gehen ebb. Da die Gesellschaft, in der er angewachsen ist, ihm niclu des: Takt angibt, fehlt ihm natürlich der Tikt. Fr stösst an, sobald er mit Kreisen inHcrührung k.'-mnu, demn die gesellschaftliche X'sck*. eine Selbstverständlichkeit ist. Fr wird politisch unbrauchbar. Aber ls kommt noch etwas anderes hinzu, was ihn nicht bloss für eine ümserc, sondern auch für eine innere jüdische Politik untauglich üiaJu: Der Druck und die Entrechtung, die auf ihm lasten. Wir sind, wie An bnr Abmiiber in seinem Judenronnn schrieb, wie Gefangene in Feindesland. Ich möchte noch wefcergehen: Wir sind wie die I:n eines Gefängnisses. Weiss man. wie es da zugeht? Dort sitzen .. illbbirc wegen Unterschlagung ntben räuberischen Kloakenrbbg.-; n, Konunerzienröte wegen Siitliclikeitsvcrgelien neben Tt tsAs.Agcm ans der Feie des Volkes, lind was tun sie, die das Elend e.n : /^ommeugcl: rächt hat:' Aie duzen sieh, der Kloakenmaiiü den K< .;s e-rziemat, der Tohselb ger den Geklunterschlager. So geb. n.": c;:, Juden. Wir sind v i: die Geimgenen: wir duzen uns a'ie ob \. enn "vir ,,Siev* sagen. \ Auer jedem ,,Sie"k das wir zu einander ^pAckem lumer jeder ^vorzüglicher, Hochachtung'*« hinter jedem .AAJmsd!Abhören'' srcckt ein grinsendes Du, steckt der wahrhaft empörende Rippenstoss einer Imimität. die jeden Respekt ausschliefst. Wir müssten Alasken tragen, wie die badischen Sträflinge, wenn sie zusammengebracht werden, danit wir Respekt vor einander bekommen,. Schnitzler hat Recht, wem er sagt, es könne Neid, Hass. ja, manchmal Bewunderung, am Ende sogar Liebe zwischen Juden existieren, Respekt niemals. Dir Jude kennt keine Autorität in der Judcuhcit, und sobald sich ehe Autorität geltend macht, sträub: er sich und verteidigt sich mi falschen demokratischen Begriffen. Fst es nicht interessant, d.ass wir Juden, das konservativste Volk, gleichzeitig das demokratischste sind? Wie lässt es sich verstehen, dass wir, die Anhänger der fortschrittlichen and demokratischen Parteien, unser Judentum selbst nach den Prinzipien des „Jichus'k der Plutokratie regieren? Dass in unseren 'Gemeindevorständen

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