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Der jüdische Student · 1910-03-24 · Heft 11-12 (24.3.1910) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 11-12 (24.3.1910)
Date
1910-03-24
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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? Der jikl-sche Student I. Bitte, folgen Sie mir: Ich möchte Sie in eine Gesellschaft führen, eine Gesellschaft gebildeter Juden, wir v. ollen uns in eine E.' : postieren und die lieben Leutchen beebaemou. Die verehrte Ha: Vm hat soeben die Mahlzeit gesegnet, die Türen zum Salem wurden geöffnet. Einige ältere Herren setzen sich rauchend in eine Nis:he, um ein Gespräch über die letzte Theaterprcmere zu Ende zu führen, das man bei Tische begonnen hat. Die jüngeren Hciren und Hamen stehen in Gruppen von zweien i:;iu dreien herum, der Hausherr selbst bemüht sich um einen etwas absms siebenden Herren, der anscheinend das erste Mal in dieser Gesellschaft ist, imd von dem man uns im Voriil:ergehen -/.ufii<-0 11, rhi>-> es ei'U; ii.di-^' v I'erüV.tnth.eif w-ire\ jener vielgenannte Schriftsteller, dessen letzter Roman so grossen Erfolg gehabt hat. Während wir unsere Blicke m-:k über den plaudernden Saal schweifen lassen. V erden wir von der liebensw ürdigen Wirtin unterbrochen, die eine junge Dame auffordert, am Klavier zu singen. Das Eräulein beginnt, ohne sich lauge zu zieren. Sie singt nicht gut, aber auch nicht schlecht, kurz so, wie aar solchen Gesellschaften immer gesungen wird. Während sie nun da am Klaviere steht, bemerken wir etwas Sonderbares. Es kommt eine Bewegung unter die Herrschaften im Saal. Einige junge Lerne, wohl Studenten, ziehen sieh plötzlich in den offenen Nebeuraum zurück und zwar mit sehr verdächtigen Mienen. Man merkes. sie machen sich über die dilettantische Sängerin lustig. Es folgen ihnen andere Damen und Herren, man hört unterdrücktes Gekickter. DK- Herren in der Nische haben am Anfang des Liedes einige Scktn den zugehört, jetzt nehmen sie in gedämpftem Tone ihre Unicrks-ktu e wieder auf und merken es kaum, als die Dame ihren Gesang geschlossen hat. Das Gespräch wird lauter. Da sehen wir, wie ein juscw " im \\ .•• zw :>ig Jahren an den eifrig in ihrer >"i>:hc dh.pu;L re»:Jen llenen v. ruber geht, ein w enig zuhört und plötzlich mit beiden ' V.ncn in das Gopfüch hineinspringt: Entschuldigen Sie. meine v,i;;u::g isi m:;s'i:h die . . d4 worauf er seine Meinung entwickelt und dea alten Herren haarscharf beweist, dass sie sich irren, mindestens, und es ihnen kaum verschweigen kann, dass er sie, gelinde gesagt, für Esel halte. Wir haben uns noch kaum davon erhlt, als wir sehen, wie ein anderer junger Mann an die Berühmtheit herantritt, der er wohl garnicht vorgestellt worden ist, und sie mit dem freundschaftlichen Kompliment attaquiert: ,,Ich habe ihren neuen Roman auch gelesen. Ich kann Ihnen sagen: Grossartig!!*' - So spinnt das Bild sich weiter, wir aber lassen den Vorhang fallen. Was war das nun? Was haben wir da gesehen? Sicher etwas Alltägliches, etwas, was jeder beobachten kann, der sich gern in eine Ecke stellt und beobachtet. 'Kleinigkeiten, wird man sagen. Unarten, Schwächen. Gewiss. Vielleicht aber hat jemand so eigentümliche Augen, dass er in solchen Kleinigkeiten Symptome erblickt.

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