Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 11-12 (24.3.1910)
- Date
- 1910-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student- 269 zu fühlen, warum gerade ihn HerzI sich zum Nachfolger erkoren haue. Und wenn w ir laut für ihn demonstrierten, so geschah es wohl in ehrlicher Begeisterung für ihn, aber auch aus politischen! Instinkt heraus, weil wir uns sagten, dass wir das Prestige dies*.-:- .V/r:nes, den keine ..Kombination*' welcher Art auch immer uns ersetzen kann, erhöhen müssten auf jede Weise und dass wir ihm zeigen müssten, dass er sich irrte, als er sich allein i»nd verlassen w ähnte. Denn er glaubte sich einsam und ohne Anhang. Erst jüngst bei seiner Anwesenheit hier in Berlin hat er es in vertrauterem Kreise ausgesprochen, wie einsam er sich an jenen Tagen des Kongresses gefühlt hätte und dass seine Hai hing auf dem Kongress eine andere gewesen wäre, hätte er geahnt, dass wirklich noch Leute hinter ihm standen. Und angesichts eines solchen Mannes sollten wir -..... wie Du meinst ans taktischen Gründen für die anderen stimmen, für Männer, die eben noch ihrer Partei die strikte Zusage der Annahme der Wahl gemacht hatten, um sie eine Minute später wieder zurückzuziehen? Wie schön Du auch das zu entschuldigen weisst! Wasch- Iappigkeit war's, Unfähigkeit zum Entschluss usid die Erkenntnis'der Ueberlegenheii dieses Mannes! Es war die Bankrotterklärung der ganzen sogenannten Russenpartei, als sie, zur Herrschaft gelangt, die Herrschaft nicht antreten konnte. Da musste Wolffsohn in die Bresche springen. Und es war gm so! Nein, der Kongress ist nicht gesprengt worden. Er hat keine Losung gebracht, aber nicht immer ist Klarheit möglich, und Heber als eine schlechte Lösung ist mir doch deren Aufschub. Derivat, der in den letzten Kongress stunHcn so <>rt erteilt wurde, man solle die Opposition wählen, imi sie sich abwirtschaften zu lassen, erscheint doch etwas zu gefährlich: ich ziehe das Provisorium vor und hoffe, dass daraus bald ein Deünifivum werden wird. Schon hören w ir privatim und lesen es m den jüdisch-russischen Zeitungen, dass sich auch in Russland ein Umschwung zu Gunsten Wc.lffsohns und der Deutschen bemerkbar macht. Soeben hört man von dem grossen Eindruck, den Wolffsohns Haltung in Hamburg auf weitere zionistische Kreise gemacht hat. Der Wolffsohn in Hamburg, so sagen sie, ist garnicht der Wolffsohn gewesen, wie ihn Ussischkin und seine Leute uns stets geschildert haben. Die Russen, die zu Hause geblieben w aren, beginnen abzurücken von den Russen des Kongresses. Das ist unsere Hoffnung! Unsere Aufgabe wird es sein, die Zahl dieser noch Umzustimmenden zu vergrössern und sie vorzubereiten für den nächsten Kongress. Mit ihnen muss und wird die Versöhnung, die ja selbstverständlich das nächste innerpolätisehe Ziel unserer Partei sein muss, möglich sein. ----- Und wenn dies nicht gelingt? Ruhe und Geduld. Wolffsohn ist ein kluger Mann. - - Das Auftauchen - irgend einer neuen Frage könnte gar leicht eine ganz andere Parteien-