Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 11-12 (24.3.1910)
- Date
- 1910-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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264 ideal, hatte sie keinen befähigten Präsidenten, war manches von ihr zu befürchten, so hatte doch auch die alte einiges vermissen lassen, hatte anscheinend zwar einen befähigten Präsidenten, aber nicht die erforderliche Homogenität. Aber das eine hätte für die neue Regierung doch in sehr hohem Grade positiv ins Gewicht fallen müssen: dass sie-zwar nur „praktisch" war, sich aber doch damit in der Richtung des aktuellsten und. zionistischsten Teils des Baseler Programms bewegte. Wenn wir Herzls Milliarden hätten, wären wir sowohl eine politische als eine Wirtschaft tche Macht: mit unseren 7 Millionen sind wir nur eine ganz kleine wirtschaftliche Macht — auch wenn die fähigen Manner der vorgeschlagenen neuen Regierung sicherlich zu wesentlich höheren Mitteln gelangt wären —, aber einen politischen Kinfluss gewähren 7 Millionen ganz und gar nicht. Ich glaube, dass vor allem dieser Position wegen, aber auch wegen der Unmöglichkeit einer neuen Candidatur Wolfisohn das Berliner Direktorium hätte gewählt werden müssen und da^s jene Erklärung der Stimmenthaltung den deutschen Block weder nach seiner politischen noch nach seiner zionistischen Hinsicht im be>tcn Lichte zeigt. Dies letzte von der „zionistischen Hinsicht" bedarf noch der Erklärung. Ich selbst habe sachlich den Startdpun' . der Deutschen geteilt und teile ihn auch heute: wir konnten YY. nicht missen. Und doch schien mir diese unbedingte Parteinahme für ihn, die selbst vor bedenklichen Wegen nicht zurückschreckte, gar zu fröhlich — schwungvoll — leichtsinnig. Ks ist jetzt die letzte Gelegenheit, in Palästina Fuss zu fassen, in einer kurzen Reihe von Jahren ist alles verteilt. Wir bewegen uns doch fast a!!e heute auf einer mittleren Linie und, halten die wirtsch etliche Arbeir in Palästina für erforderlich; den Deutschen geht es auch nicht anders, und sie kamen zu ihrer absoluten Ablehnung der neuen Re^ieumg infolge ihrer wohlberechtigten, fröhlich - schwungvollen leidenschaftlichen Erregung für unseren Präsidenten, die aber doch leichtsinnig war, weil sie ihr Ziel verfehlen musste und das Positive der neuen Regierung im Eifer gänzlich übersah. Denn im alten Sinn „Chowewe-Zionismus" wäre das nicht gewesen, was sie plante, wenn es vielleicht äus-erlich auch einige Aehnlichkeit damit gehabt hätte; nur das Wort lebt noch, dieser Begriff selbst ist im Sterben. Wenn wir tüchtige Manner an unsere Spitze wählen, die keine Genies sind, dann müssen wir ihrer Arbeit durch den Resonanzboden der nationalen ld.ee, die stark in uns ist, Klang verleihen, und dann ist sie von selbst kein „Chowewe-Ztonismus* mehr. Möge uns der nächste Kongress einen Fuhrer bringem, dem der ganze Kongress vertraut — denn sonst ist er kein Führer — und ein arbeitsfähiges, vom Kongress gewähltes Ministerium oder doch zum wenigsten eines von beiden.