Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 11-12 (24.3.1910)
- Date
- 1910-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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21)2 Der jüdische Student. Die Opposition k mit Vorschlägen zur Zusammensetzung der neuen Regierung, i deutsche Block aber in letzter Stunde mit dem Vellingen, Y . müsse zum Präsidenten wiedergewählt werden. Wäre er wiedergewählt worden und hätte er angenommen, dann hätten wir zweifellos an sich den besten Präsidenten, aber doch keine Regierung gehabt; musste man bei den obwaltenden Verhältnissen nicht als selbstverständlich erwarten, dass hinter einer solchen kräftigen, in letzter Stunde abgegebenen Erklärung ein neuer positiver Vorschlag hinsichtlich der neuen Regierving stände' Denn man konnte doch keinen Präsidenten wählen für ein im wesentlichen in Opposition gegen ihn gewähltes Ministerium. Deshalb konnte also W. damals gar nicht mehr wiedergewählt werden; wäre er aber wiedergewählt worden, so hätte er nach seinen eigenen mehrfachen Erklärungen nicht angenommen und gar nicht annehmen können, weil sich nicht dauernd gegen eine geschlossene Opposition im Bunde mit einer zerfahrenen Anhängerschaft regieren lässt, namentlich wenn jene eine so erhebliche Minorität — fast die Hälfte des Kongresses — war und die zionistisch fast bedeutendste russische Landsmannschaft konstant in ihren Reihen hatte. Es wäre aber manches anders gewesen, wenn die Deutschen gleich den Russen rechtzeitig einen Standpunkt zu den Fragen hätten gewinnen können — d. h. einige Zeit vor den Kongress —- und mit einem Programm den Kongress betreten hätten; dann wäre ihr Uebereifcr Eifer gewesen und ihre fast unbegreifliche Kurzs'chtigkeit klare Zielbewus^theit. Natürlich ist über die Dinge nachträglich leichter reden, als auf Anhieb das Richtige im Moment zu treffen. Aber schon auf dem Kongresse se]b:-.t hat un< in Erstaunen versetzt, wie der deuts~he P/l^ek durch jenen Beschluss der Stimmenthaltung im Falle einer Wahl einer Regierung, an deren Spitze W. nicht stand, seiner verfehlten Taktik die Krone aufsetzte und Wirkung zu geben suchte. Aber kam es denn nicht immer darauf an. ein möglichst wenig schlechtes Aktionskomitee zu wählen, auch wenn W. nicht Präsident wurde? Konnte man nicht auch dann noch W\ in das A. C. bekommen, jedenfalls die vorgeschlagene Liste, soweit sie nicht zusagte, — und sie war unbefriedigend — zu modifizieren suchen? Wie konnte man nur so rasch und überdies in so bedenklicher Weise die Sache verloren geben' Was sollte aber die öffentliche Proklamicrung der Stimmenthaltung auf dem Kongress; sie hätte sich doch auch so durchführen lassen. Sie sollte dem Kongress und der neu zu wählenden Regierung zeigen, dass „die Deutschen, der Misrachi, ein grosser Teil der Engländer, die Rumänen etc. etc." die Verantwortung für die Wahl der vorgeschlagenen Liste nicht übernehmen könnten. Soweit diese Erklärung dem Kongress galt, war sie eine mehr oder minder stimmungsvolle Demonstration; soweit sie der neuzuwählenden Regierung galt, war sie ein Stoss vor den Kopf; soweit sie aber Herrn Wolffsohn galt, konnte sie aus den angeführten Gründen von gar