Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 11-12 (24.3.1910)
- Date
- 1910-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. L'öl der Prüfung der sachlichen Verhältnisse von (Tem jeweiligen zionistischen Standpunkte aus entschieden werden musste. Der Umstand, dass notwendig Personenfragen tangiorü. werden mussten, hat die Lage verdunkelt und dazu geführt, drss vielleicht beiderseits manchmal die Grundlage der ^sachlicher; Verhältnisse* verlassen wurde. Das konnte aber auch kaum anders sein. Andererseits hat eine sehr oberflächliche, schlechte Vorbereitung einen sehr grossen Teil der Delegierten auf dem Kongress selbst erst mit den Fragen vertraut werden lassen, die crforderlidie ruhige Ueberlegung damit illusorisch gemacht und die Zusaiimcnarbeit der einzelnen Faktoren, der Kandidaten, des Permanenz-Ausschusses und' der Föderationen, bis zur Unmöglichkeit erschwert. Es scheint in den Diskussionen über den Kongress über anderen erfreulicheren Tatsachen doch vergessen zu werden, dass der Kongress eigentlich gesprengt worden ist, dass keine Klarheit ezielt wurde, dass schliesslich nach keines Absicht und zu niemandes Befriedigung ein Provisorium eintreten musste. Sollte es wirklich unmöglich gewesen sein, eine neue Regierung zu finden, wtnn die zuständigen Instanzen rechtzeitig und zieibewusst mit einaacer arbeiteten? Die Ursache dieses Mißerfolgs des Kongresses — ich halte es für einen Misserfolg,. andere sind anderer Meinung, man kann darüber jetzt keinen Artikel schreiben, die Zukurft wird entscheiden — als Ursache sehe ich diese allgemeine Desorientierung an, die nur die wie immer wohldisziplinierten Russen nicht umfasste, die Schwierigkeit der Verhältnisse an sich und die mangelhafte Vorbereitung; als Anlass aber eine gänzlich verfehlte, nur mit der Leidenschaft des Moments zu motivierende Taktik der Deutschen, des Misrachi und ihrer Bundesgenossen. Man mochte mit diesen Föderationen in der Meinung einig sein — meinen Eindrücken zufolge waren es dk meisten anwesenden V. J. St.er —, c.3.::s an der Spitze der Regierung weiterhin WoliYsohn stellen mu-se Es war bezeichnenet wie das Bild, das die Deutschen boten, vor und nach der grossen Montag-Vormittag- Rede ein verschiedenes war: am Freitag zuvor hatten sie nach Entsendung zweier Konservativer und zweier Oppositioneller aus ihrer Mitte in den Permanenzausschuss ihre Aasicht dort richtig vertreten geglaubt, nach jener Rede hielt eine überwältigende Majorität mit einer in ihren Konsequenzen gerade/a gefährlichen Unbedingtheit und Wärme an W.s neuer Präsidentschaftskandidatur fest. Durch diese ihre Einstimmung zeigt sich deutlich, wie gänzlich anderer A*rt ihr Standpunkt als der der Opposition war: diese bekämpfte seit dem 8. Kongress die Arbeitsweise des Ministeriums W. und schlug ein Aktionskomitee vor, das in üren Augen besser arbeiten konnte; dem deutschen Block war seä Montag alles zunächst Frage der Person, zu der Zusammensetzung der Regierung überhaupt nahm er gar keine Stellung, und sc* war die durchaus erforderliche Kooperation der Föderationen rrit dem Permanenzausschuss eigentlich unmöglich.