Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 11-12 (24.3.1910)
- Date
- 1910-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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i>GÖ Der jüdische Student. nationalen Gedanken, losgelöst von aller ausserstudentischen Praxis statuiert, auf die mehr prinzipiellen Fragen allein hingewiesen, dann ist es ganz gewiss gut, wenn auch die aktuellen Fragen manchmal hinter den Vorhängen-der „Interne0 verlautbaren. Die Situation ist die: in Palästina begann es unter dem neuen Regime lebendig zu werden, die besten Konzessionen im Lande sind vergeben, die Bodenpreise um ein Vielfaches gestiegen, und die wachsende nationale Bewegung unter den Arabern wird uns, je länger wir v»'arten, die schon jetzt sehr geschmälerten Aussichten, im Fände festen Fuss zu fassen, noch mehr erschweren. Das erklären Männer, die Einsicht in die Lage besitzen und zu sofortiger Inangriffnahme der praktischen Arbeit seit langem drängen; unsere Delegierten aber, und vor allem die deutschen, die zum rrrös^cren Teil wissenschaftliche Urteilskraft besitzen oder leicht gewinnen können, mussten zu dem hier anschliessenden Komplex von Fragen eine selbständige Stellung zu gewinnen suchen, denn sie sollen ja mit über solche Dinge entscheiden. Es gibt heute nur noch sehr wenige Zöglinge der alten Schule, die die Wandlungen des Zionismus nicht mitgemacht haben, und die praktische Palästina-Arbeit alleine ablehnen, ehe die politischen Garantien erreicht sind, oder doch nur in irgend einem dunklen Winkel unseres Arsenals untergebracht wissen wollen. Auch diejenigen erkennen die Notwendigkeit und Aktualität der wirtschaftlichen Invasion in Palästina, die im Zionismus zunächst nur die verkörperte nationale Idee sehen und deren weitere Ausbreitung in den Landern der Diaspora wünschen, die am Frfolg des politischen Zionismus noch nicht verzweifelt cänd und unsere geringen Mittel bei der Aussicht auf nur geringe Erfolge durch immerhin spekulative Fnternehmungcn gefährdet glauben.. So sind die Parteien auch heute noch, die einen mehr „politisch", die anderen mehr „praktisch* nuancirt, wenn auch der alte Gegensatz in seiner prinzipiellen Schärfe langst hivieisch geworden ist. Die Frage war, ob die Partei der ,Politischen" — wir behalten die prägnanten Bezeichnungen bei und bitten, sie in der angedeuteten Weise richtig zu verstehen - - am Ruder bleiben, oder ob die Opposition zur Regierung gelangen solle, wobei aber wiederum nicht an eigentliche Parteiregierung zu denken ist, sondern auch nur an eine anders nuancierte. So sind es jetzt nicht mehr die grossen prinzipiellen Gegensätze, die die Parteibildung bestimmen, sondern mehr die aktuellen Fragen des Tages, und wiederum muss darauf hingewiesen werden, wie dringend notwendig es in gesteigertem Mass vom 10. Kongress an sein wird, die Einzelfragen zu kennen, da nur an ihnen die jeweilige zionistische Auffassung wird zutage treten und um sie die Parteien sich werden bilden können. Das Problem der Zusammensetzung der Regierung, das den 9. Kongress beschäftigte, war solch eine Einzelfrage, die auf Grund