Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 8 (23.11.1909)
- Date
- 1909-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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193 Stellen zu finden, die sie suchen. -Allein im wirtschaftlichen Leben des Einzelnen ist diese Zeit des Assistierens fast immer eine mehr oder minder kurze und im -Verhältnis zur wirtschaftlichen Hauptperiode von untergeordneter Bedeutung. Wenn wir also für diese-kurze und in Hinsicht ihrer wirtschaftlichen Bedeutung untergeordnete Periode einen Kampf in Szene setzen, so müssen wir prüfen, ob im Resultat ein normales und günstiges Verhältnis vorhanden ist zu der Periode, die dauernd und wirtschaftlich von grosser Bedeutung ist, d. h. also zu der Zeit, da der Akademiker in eigener Praxis steht. Und da glaube ich, dass im Kampfe für die Bessergestaltung dieser kurzen Periode eine schwere Schädigung für die Hauptperiode des wirtschaftlichen Lebens entstehen würde. Denn die nicht jüdische Clientel eines jüdischen Akademikers wurde natürlich empört sein, wenn sie hört, dass der von ihr konsultierte Jude grundsätzlich —: in dem Grundsätzlichen liegt das- Wesentliche — nur Juden zu seinen Diensten heranzieht. Die nichtjüdische Bevölkerung ist indiesem Falle genau so empört wie die jüdische Bevölkerung es ist, wenn sie hört, dass ein von ihr konsultierter nichtjüdischcr Akademiker es prinzipiell ablehnt, Juden in seine Dienste zu nehmen. Der jüdische Akademiker würde also Clientel verlieren, was eine wirtschaftliche Schädigung bedeutet. Da eine wirtschaftliche Aktion, die eine Schädigung dessen 1 O C"» im Gefolge hat, der sie aus politisrhen Motiven inaugurierte, einen politischen Misserfolg für diesen bedeutet, so käme es in diesem Falle dazu, dass wir, um Politik zu machen, uns selber ein Schlappe versetzten. Das s:»eben Dargelegte soll beweisen, dass es überhaupt verkehrt ist, ein jüdisches Arbeitsamt zu schaffen, lind dass wir diese Einrichtung bekämpfen mas-ten, auch wenn der B. J. C. ihr völlig fern stände. Gegen die Beteiligung des 15. J. C. an dieser Gründung s nd nun ganz andere Einwände vorzubringen, die zum Teil von programmatischer Bedeutung sind. Wir sind eine nationale Einheit, die völlige wirtschaftliche Gleichberechtigung verlangen muss. Diese wirtschaftliche Gleich-, Berechtigung haben wir zwar nicht völlig, und wir — der B. J. C. — haben es bisher, mit Recht, abgelehnt, in diesen Kampf um die wirtschaftliche Gleichberechtigung einzutreten. Wir haben es abgelehnt, weil wir glaubten, Besseres zu tun zu haben. — Aber wenn wir einen wirtschaftlichen Kampf fuhren wollten, dann müssten wirihn um die wirtschaftliche Gleichberechtigung führen. Wir sollten uns aber hüten, das, "wasunsere Gegner anstreben und vereinzelt auch ins Werk setzen, unsererseits anzustreben und zu systematisieren: Wir sollten nicht versuchen, eine wirtschaftliche Sonderstellung zu schaffen, die uns als die wirtschaftlich Schwächeren von Misserfolg zu Misserfolg führen würde ond uns so in unserem politischen Kampfe schwächen müsste. Aber selbst wenn wir den wirtschaftlichen Kampf aufnehmen wollten, so dürften wir uns nicht