Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 7 (21.10.1909)
- Date
- 1909-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1 TO Der jüdische.Siudent. Ein Palästina-Stipendium. Seit Semestern ertönen die warnenden und klagen \n Stimmen von berufener: und auch weniger dazu berechtigten Beurteilern aus unseren ReÜKa, die einen gewissen geistigen Stillstand in den einzelnen B. J. C.-Korporationen feststellen zu müssen glauben.- Und in der Tat scheint früher eine grössere Beweglichkeit der Geister, mehr Interesse und Arbeitsfreudigkeit bei allen Mitgliedern vorhanden gewesen zu sein; auch die Tendenzdebatten früherer Zeiten scheinen ein Bild intensiverer Lebendigkeit und verinnerlichteren Erfassens unserer Probleme dargeboten zu haben. Es will mich bedünken, dass dieser Umschwung, dieser Intensitätsverlust die notwendige Folge der Herausbildung unserer, im übrigen so segensreichen, B. J. C.-Tradition i>t: sie brachte es mit sich, dass gewisse wichtige Begriffe zum bequemen „Nachdenken" zurechtgeschnitten und schwierige Probleme zu „Notwendigkeiten tt verdünnt wurden. Es soll diese generationenlauge Arbeit gewiss nicht gering geschätzt, aber auch ihr Nachteil für die grundliche Erziehung der B. J. C.-Jugend nicht verkannt werden Die Gefahr ist vorhanden, dass in den ersten Semestern der einer Beeinflussung fähige Fux an den abgerundeten Wahrheiten Genüge findet, die der traditionstreue Fuxmajor ihm vortragt, und dass er seinen Geist auf die Chausseen des Denkens fuhrt und nicht auf die verschlungenen Waldwege schöpferischen Zweifels. Die Gefahr liegt um so näher, als bei den meisten jungen Semestern die Neigung vorherrscht, die neue Freiheit so reichlich als möglich zu gemessen und sich auch das Korporationsleben, trotz Zucht und Disziplin, möglichst leicht V.u machen. So ist es denn erklärlich, wenn auch bedauerlich, dass die Burschenarbeiten bei weitem nicht mehr das Niveau erreichen, das ihnen früher ak> selbstverständlich zugemutet wurde, und dass nicht wenige l>br. Bbr. den Sinn für die Bedeutung dieser Arbeiten verloren haben. Dem allem möchte ich mit einem Vorschlag abzuhelfen suchen, der, wie ich glaube, praktischen und idealen Erwägungen gleicherweise Rechnung trägt. Ich möchte anregen, der besten Burschen arbeit eines ganzen Jahres ein S t i - p e n d i u m für eine Reise nach P a l ä s 11 n a zuzuerkennen, das dem Preisträger nach seiner f n - a k t i v i e r u n g übergeben wird. Ich will Euch gar keine Müsse lassen, wegen dieser Ungeheuerlichkeit aus dem Mäuschen zu geraten, sondern gleich ausfuhren, wie ich mir die Verwirklichung meines Planes denke. Zuerst: die beste Burschenarbeit. Es soll jedem Examinandus die Wahl seines Themas, natürlich innerhalb unseres Interessenkreises, freigestellt sein; auf den Umfang der Arbeit wird kein Wert gelegt, dagegen auf die Selbständigkeit des Urteils und die gründliche Bearbeitung der zu behandelnden Fragen, mögen sie nun historischer, politischer, praktischer oder theoretischer Natur