Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 7 (21.10.1909)
- Date
- 1909-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Der jüdische Student lTnscro Not,*) Ks ist ein Vorzug:;h-s J. St., dass aus seinen Spalten Stimmen gehört werden dürfen, die die Dinge nur andeuten, nicht erschöpfen, die Ergänzung und die Folgerung aber den lesenden Bundesbrüdern überlassen, und dass zweitens auch Meinungen in ihm das Wort erhalten können, die gar nicht beanspruchen, objektiv richtig zu sein» sondern nicht mehr als der Ausdruck einer ganz persönlichen Auffassung oder Stimmung sein wollen. So möchte ich es auch mit dem gehalten wissen, was ich hier von „unserer Not" sagen will. ■ ..Unsere Not?'" Ich sehe schon sehr viele unter Euch erstaunt auf dieses Wort seilen. Ist es denn nichr ausgemacht, dass bei uns so im Grossen und (tanzen Alles in besser Ordung ist? Gewiss. Wir haben es unter einander ausgemacht, die Unzufriedenheit, die uns bald mehr, bald weniger stark erfüllt, vor den „Anssenstehenden" und vielleicht auch vor den Bundesbrüdern selbst zu verdecken. Wir haben mit diesem Pakt einen modus vivendi geschaffen (Nur schade, dass die Verdrossenheit, die wir so in uns einschliessen, sehr leicht bei Gelegenheit persönlicher Reibungen explodiert und zum allgemeinen ,.Stunk" w ird). Aber uns selbst hilft es nichts, dass wir uns glücklich stellen. Im Gegenteil, w ir fühlen es noch mehr, dass wir ohne Begeisterung und ohne Freude bei der Sache sind. Und das ist das Ouälendc, dass w ir selbst nicht w issen. w a r u m eigentlich wir nicht frisch und freudig an der Arbeit sein wollen. Wir w undern uns über uns selbst. Bas führt dann die Besserer! unter uns oft dazu, atis Zorn gegen sich selbst, aus Verbissenheit zu arbeiten, oder besser gesagt: etwas zu tun (Manche tun es auch bereits aus Ironie). So kommt es, dass bei uns im B. .1. C. immer gearbeitet wird. Aber dieses Arbeiten ist nicht viel mehr als nervös gedrückte Geschäftigkeit. Begeisterung ist nicht dabei. Wie steht es denn um den Zionismus bei. uns? Sind wir nicht bereits in. der überw ältigenden Mehrzahl Zionisten? Und sind es *) Mit Rücksicht auf diesen Aufsatz und den nachstehenden habe ich das Bedürfnis, einmal besonders auszusprechen, was sich ja eigentlich von selbst versteht: dass ich nicht nur diejenigen Ansichten veröffentliche, die mir theoretisch richtig, nicht nur diejenigen Anregungen zum Abdruck bringe, die mir praktisch durchführbar erscheinen. Nach meiner persönlichen l'eberzcugimg bedürfen gerade die Darlegungen der Bbr. Bbr. Dukas und Jacobson notwendig einer Ergänzung durch- Erörterung von anderer Seite Bbr. Dukas wird so hoffe ich - aus einer Diskussion ersehen, dass die zionismusioseZu'<unft des R. J C , die er erstrebt, weit unfroher und düsterer wäre als die Gegenwart, so schwarz er sie auch malen mag: Bbr. Jacobson aber wird sich sagen lassen müssen, dass wir V. J. St.er im gleichen Masse, wie wir Pädagogen dringendst brauchen, pädagogische Mittelchen (zu ihnen gehört das ^Prämiengeben") scheuen und meiden müssen. M.