Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 6 (14.9.1909)
- Date
- 1909-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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147 men Reaktion den Liberalismus der Regierung, die aus Furcht vor den Juden nicht den Mut hätte, eine konsequente Politik der völligen Absperrung der russischen Bildungsquelle für Juden durchzuführen, und hält die ,judenireundiiehe" Tendenz des Ministemunis für staatsgefährlich." -- Uebrigens brachte die „Selbstwehr" jüngst eittt Notiz (Nr. 31), wonach das Petersburger Polytechnikum vor Kurzem, bekanntgegeben hat, dass in diesem Jahre in die Anstalt keine Jluden aufgenommen werden würden Der uitrareaktionare »Kultus^-Minister scheint demnach gründlich mit den Juden aufräumen zu wollten. Hin anschauliches Bild der Schwierigkeiten, die eines jüdischem mulus in Russland warten, zeichnen die M. A. (Nr. 27): .....Hat er nun all dieses glücklich überstanden und ist er endlich Besitzer des Reifezeugnisses, dann, itst er wieder am ursprünglichen Ausgangspunkte angelangt. Zuerst reicht er an alle Universitäten und Hochschulen Gesuche im Aufnahme ein. Ob er auf der medizinischen Fakultät zu Tonuft (Sibirien) oder auf dem" Polytechnikum zu Warschau aufgenommen werden wird, ist ihm egal. Wählen darf er ja nicht, dk Zeit drängt, da er sonst als Soldat in die Armee gesteckt wird. Aber von seinen 30 Gesuchen mit den'30 Photographien verspucht er sich auch herzlich wenig. Und nun geht er selbst, sein ^'atcr, seine Brüder und Verwandten auf die Suche nach der Protektion aus. Der eine hat einen Grafen zum Bekannten, der seinerseits einen gemeinsamen Bekannten des Ministers hat; derr andere besitzt eine viel einflussreichere Persönlichkeit. Alles wird in Bewegung gesetzt. Die Aitern schonen ihr Letztes nicht, und der Junge seihst sucht sich für diese notwendigen Ausgaben Mittel durch Stundengeben zu erarbeiten. Hat er die schriftliche Protektion an den Minister in der Tasche, dann mm> er sich zuerst den Handlungsgehilfenschein des Besitzers einer zweiten Gilde verschaffen, um nach Petersburg zum Minister fahren zu können. Was erwartet ihn in der letzten Instanz? Eine im besten Falle höfliche Absage. Audi die folgende Geschichte ist zu interessant um unterdrückt zu werden. Pas ,.Isr. Gcmeindeblatt für Westdeutschland'' erzählt sie in Nr. 33. Das Landwirtschaftliche Amt in IekaterinosUnv lud die Studenten der Agronomie am Kiewer Polytechnikiaam7.11 praktischen Ücbungen ein. Das Kiew er Rektorat nominierte is. a. auch 10 jüdische Hörer. Deren Zulassung wurde aber vom Leiter der landwirtschaftlichen Anstalt abgelehnt, weil Juden nicht auf Dörfern wohnen dürfen. —- Im Hinblick auf diese stetigem Zurückweisungen von jüdischen Studenten und die Gefahr „einer zeitweiligen Ausschliessung der Juden aus den Hochschulen" berülirt die Notiz der „Neuen Nationalzeitung14 (Nr. 15) über „Eine jüdische Akademie" doppelt sympathisch: