Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 6 (14.9.1909)
- Date
- 1909-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 'machung' des Rcctorats schon im Dezember vorigen Jahres angedroht worden für den Fall, dass eine der angebrachten Tafeln beschädigt werden sollte. Frech und feig - das ist die einzige Charakterisierung dieses Streiches. Die Juden müssen eben zu jeder Verspottung herhalten. Auch auf dem Theater fängt man jetzt wieder an, die Juden zu karrikieren. Gerade wie vor 100 Jahren, als man „Unseren Verkehr** gab. In Prag wurde die Operette „Herbstmanöver" aufgeführt, ein Stück, das recht grobantisemitisch sein soll. Aber da erwachte auch das jüdische Ehrgefühl: jüdische Studenten demonstrierten und inscenierten einen Theatcrskanclal. Folge: Absetzung der Operette vom Repertoire. Nach einer Redt, die der frühere Rektor der Universität Czernowitz, Prof. Ehrlich, im dortigen sozialwiss. Akad.Verein über die Judenfrage gehalten, sind 50^ der Studierenden (ca. 200) Juden, obwohl sie in der gesamten Bevölkerung der Bukowina höchstens W"< ausmachen. Ein neuer Beitrag zu der aus wirtschaftlichen Momenten entstandenen Flucht der Juden in die gelehrten Berufe. (M. A. Nr. 26). In R u s s l a n d ist alles beim alten höchstens, dass es zuweilen noch schlimmer wird. So brachte die „J. R.'" in Nr. 2ü die Mitteilung: Wie angekündigt wird, soll der Kultusminister Schwarz dem Ministerrat dieser Tage eine nein: Frage" bezüglich der j Li d i s c h c n P r o z e n t n o r m e n in den Hochschulen unterbreiten: Soll der Prozentsatz der zuzulassenden Juden nach der Zahl der n e u a u f z u n e h m ende n Studierenden, oder nach dem G e s a rn t s t and des St u d e u t e n k o n t i n g e n t s in den Hochschulen berechnet werden? Diese vom ..schwarzen4' Kultusminister geschaffene Frage ist nicht, wie es scheinen könnte, rein formaler Natu» : sie kann vielmehr, im Falle ihrer Beantwortung im letzteren Sinne, zur g a n z 1 i c h e n A u s - s c h l i e s s u g der J u d e n v o n d e n H o chsch u l e n f ü r d i e n ä c Ii s t e n Jahr e führen. Die ganze Proy.entnormatisierung stammt bekanntlich aus der Zeit Ignatjiews, aus der sie sich trotz Duma und trotz Konstitution erhalten hat - mit det dem Bösen innewohnenden Kraft. Die betreffenden Sätze für die Juden nahmen unter dem Ministerium Schwarz bisher folgende Gestalt au: in Petersburg und Moskau 3';, in der Provinz ausserhalb des Ansicdelungsrayons 5 im Ansiedelungsrayon 10 S; der Gesamtzahl. Trotzdem jammern die Erzreaktionäre über die durch diese zu liberalen Bestimmungen verschuldete Verjudung der Universitäten. Der bekannte Publizist Mensch ikow schreibt z. B. in der ,,N o w o \V r e m j a*\ die P r o z e n t n o r m sei ein dumm er und g e f ä h r 1 i c Ii er Ei n fall, da n k w eiche m die G e f ä h r 1 i c h s t e n unter den Juden p r i v i 1 cg ie r t w ü r d e n. Natürlich verurteilt dieser Vertreter der extre-