Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 6 (14.9.1909)
- Date
- 1909-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 145 Zusatz: Ordentliches Mitglied des Bundes kann feder Student „deutschen Stammes" an einer Hochschule äes deutschen Sprachgebiets werden usw." — Der Vorstand beantragt nun die Streiciung dieses Zusatzes. Er weist darauf hin, dass der Bund die rasch aufsteigende Entwickehmgslinie seiner ersten Lebensiiiire nicht gehalten habe. Es sei traurig, dass so viele Studenten zwar auf dem Boden des Bundes stehen, aber nicht den Weg zu ihm finden. Wenn der Bund überhaupt lebensfähig seih wolle, müsse er sich von allem fernhalten, was geeignet sei, ihn Missverständnissen auszusetzen oder ihn in die Tageskämpfe hineinzuziehen, kurz, einer Beschränkung seiner Resonanz herbeizuführen. Dadurch, dass der Bund zu einem a n t i s e m i 1 i sc h e n gestempelt werde, sei die Tragkraft seiner Ideen beeinträchtigt worden. Darum müsse diese antisemitische Festlegung fallen. Jedes einzelne Mitglied könne sich zu Rassenfragen vea&'alten, wie es ihm beliebe, aber im Bundesleben müsse der Rassenstandpunkt zurücktreten. Der Vorstand spricht die Hoffnung aus, dass die Mitglieder . dem Antrage zustimmen werden. Man wird abwarten müssen, wie die Dkge sich entwickeln. -— Der V. D. St.-Berlin in dem übrigens auch im vergangenem Semester die Judenfrage in Vorträgen gründlich erünkrt worden ist hat mit Unterstützung von 32 Korporationen folgenden Antrag bei der Universitätsbehörde eingereicht: Unterzeichnete Korporationen bitten einen hohen Senat der Universität Berlin, entsprechend den an andern deutsche® Hochschulen bestehenden Einrichtungen Ausländer erst sechs \Vödsten nach Beginn des Semesters zum Belegen von Vorlesungen zuzulassen. Begründung: Es ist ein besonders von Medizinern, Natnnwissenschaitlern und Chemikern beklagter Ucbelstand, dass die Ausländer, die meist auch in den Ferien in Berlin weilen, beim Einträfen der deutschen Studierenden bereits die besten Plätze sowohl in den Vorlesungen als auch in den Uebungeu belegt haben und s©- einen durch nichts begründeten Vorzug gemessen. (Staatsbürger Zeitung vom 13. VII.) Man kann diesem Verlangen, so unkollegial es auch erscheint, natürlich eine gewisse Berechtigung nicht absprechen. Die „Neue Freie Presse" brachte am 21. Juni die folgende Notiz: Der Rektor der Universität Qratz hat diie Kassierung sämtlicher im Vestibül der Universität angebrachten Ankündigungstafeln der akad. Korporationen mit Ausnahme der fachwissenschaftlichen und humanitären Vereine verfügt. Anilass zu dieser Massregel bot die von unbekannter Hand erfolgte Beschädigung der Ankündigungstafel der jüd.-nationalen Verbindung „Charitas44. Die Massregel war den Studenten durdkeine Kund|-