Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 6 (14.9.1909)
- Date
- 1909-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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U4 Der jüdische Student. Von diesem Programm gilt dasselbe, was ich oben von dem des A. D. B. sagte. Uebrigens haben sich an der Universität Kiel und an der Technischen Hochschule in München neue Freistudentenschaften gebildet, interessant sind einige Ausführungen in einem Aufsatz: Die Duellfrage in der Studenschaft, den die vom Präsidium der Freistudentenschaft herausgegebene Schrift „Zur Einführung in das akademische Leben" enthält: .... „Manche Vertreter des Antisemitismus glauben, für den Zweikampf in der Studentenschaft eintreten zu müssen, weil dieser als eine speziell national-germanische Sitte einen Grenzwall gegen das Judentum bilde. Das ist ein Irrtum. Die jüdischen Studenten — wenigstens die Inländer — sind in ihrer Meinung über den Zweikampf ebenfalls geteilt. Ein grosser Teil von ihnen hat sich da „angepasst", und es gibt viele studentische Vereinigungen, die sich überwiegend oder ganz aus Juden rekrutieren und das Prinzip der unbedingten Satisfaktion vertreten, ja, einzelne rein jüdische Verbindungen pflegen unter sich die Säbelmensur. Und der reichs-deutsche Student gibt ohne weiteres den jüdischen Kommilitonen Satisfaktion. Ausnahme machen nur deutschnationale Korporationen in Oesterreich. Im Gegenteil, würde die Bereitwilligkeit jüdischer Studenten, sich zu schlagen, eine Brücke bilden, diese als „honorig" anzusehen und so die etwa gewünschten Gegensätze verringern/* Zwar: so viel Sätze, so viel Irrtümer! Aber das hätte gewiss keiner erwartet, dass gerade diese Methode der Abwehr des Antisemitismus aus den Reihen der Fr, St. gleichsam empfohlen werden würde! Ueber den A k a d e m i s c h e n B und Ethos t; kursiert in den jüdischen Zeitungen, freudig aufgenommen, die folgende Nach-, rieht, die im Minblick auf das im Heft 4, S. 86 Mitgeteilte doppelt beachtenswert ist: Im A k a d e m i s c h e n B n n d c ,.E t h o s*\ der die Studentenschaft sittlich reformieren will, bereitet sich eine bemerkenswerte Wandlung vor. Bekanntlich war der Bund ms antisemitische Fahrwasser geraten. Eimge Herren vom Verein Deutscher Studenten waren ihm beigetreten, hatten Oberwasser bekommen und in kurzer Zeit den Bund völlig ruiniert. Er hat augenblicklich nur noch eine verschwindend geringe Mitgliederzahl. Nun scheint man andere Bahnen wandeln zu wollen, denn in den Bundesblättern teilt jetzt der Vorstand mit, dass er beabsichtige, zur Semesterschlussversammlung einen Antrag einzubringen, der eine alte, im Btinde^leben schon mehrfach erörterte Streitfrage wieder zu neuem Leben erwecken wird. Es handelt sich um den seinerzeit in die Satzungen aufgenommenen gegen Aufnahme der Juden gerichteten