Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 6 (14.9.1909)
- Date
- 1909-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. U3 des Bundes den Ausgang der achtziger Jahre als Epoche einer „traurigen geistigen Epidemie", als ..Hochflut des urteilslosesten unflätigsten Radauantisemitismus" bezeichnet. -—' Dass dem V. D. St. die ganze Richtung, die im A. I). B. herrscht, nicht in den Kram passt, ist klar. So schreiben die „Ak. Bl/\ indem sie dem Bunde die Existenzberechtigung glattweg absprechen: ,.Auf die Grundlage der Gegnerschaft gegen den Antisemitismus lässt sich schwerlich eine studentische Vereinigung gründen, die eben im Gegensatz zu bürgerlichen Vereinen den ganzen Menschen zu erfassen sucht. Der Antisemitismus hat seine gleichsam symbolische Bedeutung verloren und ist zu einer ausschliesslich praktischen Frage geworden. Da es dem Allgemeinen Deutschen Burschenblinde demnach an einer eigentümlichen Basis fehlt, so ist ihm jede höhere Art von Existenzberechtigung abzusprechen. Ein Blick auf die Geschichte der einzelnen Bundeskorporationen, die zum grossen Teil aus allerhand anderen Formen eines Tages zufällig in den Allgemeinen Deutschen Burschenbund herübergeglitten sind, dient dazu, die allgemeine Betrachtung zu bestätigen." Tatsächlich trösten die Randbemerkungen der M. A. nicht über den Mangel eines genügend konkreten Programmes des A. D. B. hinweg. Denn seine Devise: „Fortschrittlich niuss der A. D. B. sein, oder er wird nicht sein!" und die Stichworte: „Toleranz, Vernunft. Freiheit", — das sind wirklich schon recht;ibgegriffene Münzen ohne Farbe und Klang. Es sei an dieser Stelle ein Aufruf der Freischar Berlin (im Bunde Deutscher Akademischer Freischaren) mitgeteilt: „Die Freischar ist eine auf der Grundlage wahrer, akademischer Freiheit aufgebaute studentische Verbindung. Sie verlangt von ihren Mitgliedern Ueberzeugungstreue und Verantwortlichkeitsgefühl für die hohen Pflichten, die dem Studenten zugleich mit den mancherlei Vorrechten auferlegt sind. ' Daher hat sie den Kampf gegen alles Ungesunde, Unwahre und Freiheitsfeindliche im studentischen Leben aufgenommen. Insbesondere bekämpft sie die veralteten studentischen Erziehungsmittel und sonstige Unsitten und'Auswüchse im akademischen Leben. Innerhalb ihrer Verbindung bezweckt die Freischar: Freie Entwickelung der Persönlichkeit, der Freundschaft und ungezwungenen Geselligkeit, gegenseitige Erziehung, Unterstützung und Belehrung. Förderung des Verständnisses für die freiheitliche Entwickelung unseres Vaterlandes unter Ausschluss parteipolitischer Tätigkeit. Austausch wissenschaftlicher und politischer Anschauungen, Behandlung kultureller Fragen, Uebung der freien Rede und Pflege von Musik, Kräftigung eines frischen Unternehmungsgeistes durch Wandern und Reisen, Stählung des Körpers durch allerlei Leibesübungen." (M. A. Nr. 29).