Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 5 (24.8.1909)
- Date
- 1909-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3537599-3537665-3537671--1287-3539381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. 129 Ferner: Innere Politik: Bei bescheidenen Ansprüchen könnte man auch in dieser Beziehung das Semester als ein gelungenes bezeichnen. Wir haben mit der wünschenswerten Regelmässigkeit für die äusseren Erscheinungen eines gedeihliäkrn Vereinslebens, Fuxenstunden, Vorträge, Referate, Kneipen, Cowente und Debatten Sorge getragen. Die Convente, deren wir erfreulich wenige hatten, nahmen einen ruhigen, vielfach heiteren Verlauf; von den Kneipen kann man ein gleiches behaupten und"' hinzufügen, dass erstaunliche Mengen von Bier und Bowle consueiert wurden, nicht immer zum Wohle der Consumenten und ihres seelischen Gleichgewichts. Die Vorträge und Referate bewegten sich auf dem üblichen Niveau. Die Fuxenstunden haben ihren Zweck erfüllt und den Füxen die theoretischen Grundlagen des J. St.ertums gegeben; dass der wissenschaftliche Teil der Euxanerziehung in befriedigender Weise gehandhabt wurde, bewies dk Fuxenprüfung. Nicht aber der andere Teil. Und das isl der beträchtliche Wermutstropfen in unserem Freudenkelch. Wir können uns nicht * rühmen, unsere Füxe zu V. J. St.ern gemacht m haben, zu Bundesbrüdern, die sich freudig und gern eins mt uns fühlen. Es liegt dies nicht etwa an der Vereinsleitung; aorh wenn unser X mehr Talent zur Erfüllung seiner hohen Missionr bewiesen hätte als Bbr. Fink und wohl auch, wenn unser Fuxmajor mehr Fähigkeiten und ein wärmeres Interesse für seinen päühgogisihen Beruf gehabt hätte als Bbr. Schalscha, hätte unter den obwaltenden Umständen mehr kaum geleistet werden können. Es liegt dieser Mangel vielmehr im Wesen des V. J. St. Freüburg begründet. Solange Freiburg keine sesshaften Elemente, keine Träger einer festen Tradition hat, fehlen die Garantien für einsgeordnete Entwicklung. Freiburg, im Winter sorgsam von B. J~ C.ern gemieden, ist im Sommer eine beliebte Durchgangsstation und wird dann ein Sammelpunkt für die verschiedenartigsten Individuen. Ist der B. C. stark, so kommt es zu Konflikten, wie im vorigen Sommer; ist er schwach, so ist er dem regelmässig sehr stattlichen Fuxenstall nicht gewachsen — wie in diesem Sommer. Es wird darum die Aufgabe Freiburgs sich wohl stets darauf beschränken müssen, in seinen so fruchtbaren Sommersemestern dem B.. J. C. ein recht, starkes Fuxenkontingent zuzuführen und die Füxe ein Semester lang in die Elemente des B. J. C.ertums schlectt und recht einzuführen, um sie dann zur gründlichen Erziehung und Ausbildung in andere Kartellvereine zu entlassen, in denen dir Verhältnisse gesundere, die Zusammensetzung eine harmonischere ist. Es scheint dies ein Verhängnis FYeiburgs zu sein, das die üHen Erfahrungen mit diesem Sorgenkind des B. J. C. erklärt, bis auf weiteres aber wohl nicht behoben werden kann. Auch wir litten in diesem Semester an diesem Zwiespalt. Es steht schon in unserem letzten Bericht zu lesen, wie störend sich das Missverhältnis zwischen der starken Präsenz des F. C. und der Schwäche des B. C. bemerkbar gemacht hat. So kam es, dass