Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1909-08-24 · Heft 5 (24.8.1909) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 5 (24.8.1909)
Date
1909-08-24
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3537599-3537665-3537671--1285-3539379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der jüdische Student. 12t Die Bbr. Bbr. werden aufgefordert, ihre Feii:enbeitrage für den V. J. St. Strassburg umgehend an jur. Edmund Weill, Sternstr. 16 gelangen zu lassen. 7. VIII. 09. E. W. Freiburg. Auch bei uns wurde in diesem Semester, besonders in seinen letzten Wochen, die innere Politik beherrscht von dem grossen Problem der Finanzreform. Da das Interesse des ganzen B. J. C. an dieser Angelegenheit ja in unliebsamer Weise wachgerufen werden .musste, dürfte ein kurzer Rückblick am Platze sein. Die Höhe unserer Schulden ist durch die überaus gewissenlose Wirtschaft der früheren Semester zu erklären. Die Leute, die damals hier am Ruder sassen, müssen jedes Gefiiils der Verantwortlichkeit bar gewesen sein. Sie haben in Sau? und Braus gelebt und die Kosten in den Schornstein geschrieben. Bezeichnend ist, dass hier in Freiburg seit mehreren Semestern die Unsitte herrschte, die Kosten der Kneipen, Ausflüge, Fxbuimmei und anderen Festlichkeiten nicht etwa zu repartieren, seadern der Vereinskasse zur Last zu legen. Verhängnisvoll war vor allem die ✓ OD mehrsemestrige Kassenverwakung Benensons, untes dessen Amtsführung jeder Ueberblick über die Kassenlage verloren ging. Gleichwohl wurde mit gewohnter Sorglosigkeit veschwendet und und nur notdürftig hier und da ein Loch zugestopft, um einen drängenden Gläubiger zu beschwichtigen. Durch diese Palliativmethode wurde das Uebel rapide verschlimmert. Schliesslich kam noch der Kartelltag hinzu, dessen beträchtliche Ur&nsten nur zum Teil durch Repartiti »neu gedeckt wurden. Die Benensonsche Finanzpolitik hätte nun sicherlich auch in diesem Semester ihre zweifelhaften Triumphe fortgesetzt, wenn wir ihren Vater nicht zum Austritt veranlasst hätten. Seine Nachfolger zogen eine gründlichere Methode vor, was freilich auch zum grossen Teil Verdienst unserer Gläubiger ist, die eben zur Gründlichkeit zwangen. Für den Erfolg dieser Sanierungsa^beiten mögen die nüchternen Zahlen sprechen: Wir begannen dieses Semester mit einer Schuldenlast von M. 4547,14. Wir haben bis zum heutigen Tage M. 3i41,17 abgezahlt und werden in den nächsten Wochen noch etwa 400 Mark abzahlen können. Da wir demnach insgesamt nahezu viertausend Mark unserer Schulden getilgt haben, wird das nächste Semester nur noch Schulden in Höhe von 6—100 M. haben. Dieser in der Geschichte des B. J. C. sicherlich beispiellose Erfolg ist in erster Linie auf die Opferwilligkeit unserer 25 Leute zurückzuführen, die an materiellen Opfern, Mona&beiträgen, Reparationen und Poenen Erstaunliches geleistet und in diesem kurzen S. S. fast 2 0 0 0 Mark aufgebracht haben. Nicht minder erfreulich ist der Erfolg der vom Präsidium in die Wege geleiteten Hilfsaktion. Als die Not am grössten war, sprang das Präsidium

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.