Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1909-08-24 · Heft 5 (24.8.1909) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 5 (24.8.1909)
Date
1909-08-24
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3537599-3537665-3537671--1277-3539371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

110. Noch in einer anderen Richtung kann die Ueberspannung der Tendenz, der ohne das Gegengewicht des Korporativen eine Verminderung der Anhänglichkeit an den V. J. St. zur Seife geht, schaden. Es kommt fast für jeden einmal der Augenblick, v;o er — - auf Grund von irgendwelchen trüben Erfahrungen — an einer Zukunft des Judentums zweifelt und ihm alle Bemühungen dafür müssig und vergeblich vorkommen. Da ist es nun selbstverständlich, dass er. falls ihm nicht die Korporation als solche was bedeutet nid ihn schon allein an sich fesselt, die Zugehörigkeit zu ihr, die das erstrebt, was er verwerfen zu müssen glaubt, als etwas Ueberflüfsiges von sich werfen wird. Einer, der an der Korporation selbst längt, wird ihr auch in solchen Zeiten der inneren Krise treu bleiben Dieser Korpsgeist wird ihn uns erhalten, bis er seinen Weltschmerz überwunden hat und nun auch der Ueberzeugung nach wieder V. J. St.er ist. - - Fälle dieser Art sind aus der Praxis leicht anzuführen. Mit der Gegensätzlichkeit, die sich in den Elementen des V. J. St. zeigt, und mit der Unmöglichkeit, sie organisch zu verbinden, müssen wir uns abfinden. Weil wir aber weder & Tendenz noch die Korporation entbehren können, so müssen wir säe vui eine möglichst unschädliche Weise vermischen, und das kann nur so geschehen, dass derAbbruch, der dem einen Element, dem korporativen, durch vorwiegende Pflege des anderen geschieht, wieder aufgehuDeu wird durch erhöhte Pflege eben dieses korporativen Clements. Beide müssen sich im V. J. St., was die Aktivitas betrifft, gleichwertig gegenüberstehen; keines darf vor dem anderen etwas voraus halen. Damit ist auch schon gesagt, dass nicht etwa Einschränkung der jüdisch-wissenschaftlichen Tätigkeit gefordert, sondern dass nm allem, was das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Anhänglichkeit an den V. J. St. stärkt, erhöhte Aufmerksamkeit zugewandt -werfen soll. Dazu dient vor allem: Ausmerzung solcher Elemente aus den V. J. St.en, mit denen man sich nicht zusammtggehöiig fühlen kann fgrösste Vorsicht bei der Aufnahme'.•; Beförckrung des kameradschaftlichen Zusammenschlusses der ßundesbrMer durch offizielle und private Geselligkeit (vor allem die Kneipe uruss zu Ehren kommen); Erziehung zum gesellschaftlichen Auftreten (die bei so vielen Bundesbrüdern so bitter nötig ist) und Pflege fer gesellschaftlichen Beziehungen der Korporation. Ferner muss mit dem mehrsemestrigen Festhalten der Aktiven bei e i n e r B. J. C Korporation endlich Ernst gemacht werden. Und schliesslich möchte ich sogar empfehlen, die jungen Bundesbrüder, etwa solange sie nicM wenigstens inaktiv sind, in ihrer Anteilnahme an allgemeiu-jüdisrhcn Organisationen möglichst zu beschränken. Sie nützen da ermfirungsgemäss sehr wenig, und ihre Beteiligung schadet der Ausschliesslichkeit des Interesses, das der V. J. St. für sich in Anspruch neteien darf. Ihr Platz ist vorwiegend in den allgemeinen Organisationen, wenn sie A. H. oder wenigstens inaktiv sind; vorher sollen sie bd uns lernen, wie sie diesen Platz am besten ausfüllen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.