Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 5 (24.8.1909)
- Date
- 1909-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Der jüdische Student. da ist,"so ist bei der reinen studentischen Korporation der A. EL für die Korporation da. — Man kann also hier eine systematische Züchtung der Anhänglichkeit des Verbindungsstudenten an seine Korporation und nur an diese konstatieren, eine Anhänglichkeit, die beim A. H. noch unterstützt wird durch die Zärtlichkeit, mit der jeder an dem Andenken schöner Tage und ihren Erinnerungszeichen hängt. Es ist klar, dass in einer Organisation, wo die beiden geschilderten Elemente, das nach aussen gerichtete allgemein-jüdische und das nach innen gewandte korporative, verschmelzen werden sollen, die Widersprüche zwischen beiden oft recht scharf hervortreten müssen. Weil sie nicht mit einander harmonieren, sondern nach entgegengesetzten Richtungen auseinanderstreben, ist es nicht möglich, sie organisch miteinander zu verbinden in der Weise, dass die Förderung des einen Elements auch dem andern zugute käme. Im Gegenteil, jede Begünstigung des einen schadet dem andern. Beschäftigt man sich überwiegend mit Tendenz, so wendet sich der Blick nach aussen und die Anhänglichkeit an den V. J. St. leidet darunter, dass man ihn als unbedeutendes Teilchen der iunguidisehen Bew egung amrasst. Betont man zu stark die Zugehörigkeit zur ■ Korporation, so besteht die Gefahr, dass der V. J. St.er vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht und ein Korporationsfex wird, dem an einer Rückwirkung auf weitere Kreise wenig gelegen ist. Diese letztere Gefahr ist nun, wie ich glaube, praktisch weniger bedeutsam, weil in keinem V. J. St. heutzutage das Korporative übermässig betont wird und es auch wohl nur verhältnismässig wenige nennenswerte V. J. St.er gibt, die sich durch die Korporation den Blick auf die jüdische Allgemeinheit versperren lassen. Die andere Gefahr, die der übermässigen Betonung des allgemein-jüdischen Elements bei den Aktiven, liegt weit näher und ist wie die Dinge noch heute im B. J. C. liegen, auch weit mehr zu bekämpfen. Wird eine solche Bevorzugung der Tenden:'. geübt, so kommt gerade der intelligente und interessierte Aktive leicht dazu, seine Zugehörigkeit zum V. J. St. als etwas rein Zufälliges und Vorübergehendes zu betrachten. Schon wenn er die allerersten Ahnungen von Judenfrage und Judenbewegung hat, erscheint ihm -— bescheiden wie er ist! — dieser Wirkungskreis zu eng, die Arbeit zu klein und zu mühevoll; draussen in den grösseren, allgemeinen Organisationen, deren Zweck und Wirken er durch uns kennen gelernt hat, glaubt er eher einen geeigneten Wirkungskreis für sich zu finden, in dem er womöglich als Akademiker gleich am Anfang zum Befehlen, anstatt wie bei uns anfänglich zum Gehorchen da ist. Und wenn er, wie in dem angenommenen Fall der Betonung des Allgemeiujüdischen,Wissenschaftlichcn, viel mehr durch verstandesmässige als durch gefühlsmässige Momente an uns gebunden ist, so ist es nicht selten, dass er uns aus irgend einem Anlass verlässt, allerdings — infolge der mangelnden Erziehung - - meist um der weiteren Organisation ebenso rasch müde zu werden, wie vorher ds V. J. St.