Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 5 (24.8.1909)
- Date
- 1909-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Der jüdische Student. 113 Vor einiger Zeit las icli im J. St. den Bsschluss des Marburger K.V., wonach zu Bundesschwestern nur solche Mädchen ernannt werden dürfen, die auf dein Boden der Tendenz stehen. Das ist sicher einer der vernünftigsten Beschlüsse in Bezug auf unsere Damen, der je gefasst worden ist. Die Ignoranz' und die Glciehgiltigkeit der Mehrzahl unserer Damen in jüdische® Dingen, die vielfach sprichwörtlich geworden ist, haben uns schon sehr, sehr viel geschadet. Wie können wir da helfen? Man sieht aus der Ueberschrift, dass ich vorschlage, Gesellschaftskurse im V. J. St. einzurichten, die natürlich in erster Reihe eben für die Bundesschwestern in Betracht kommen sollen. Selbstverständlich muss diesen Kursen jeder akademische Charakter völlig fern bleiben, womit nicht gesagt ist, dass sie hauptsächlich Flirt- und Poussirzwecken dienen sollen. Es wird dem ernsten Verständnis, der Reife und dem Taktgefühl des Leiters dieser Veranstaltungen überlassen bleiben müssen, hier den richtigen Ton zu treflen. Ich will aber auf der anderen Seite gau nicht leugnen, - dass ich mir auch in gesellschaftlicher Beziehung (Benehmen, Unterhaltungskunst) von derartigen regelmässigen Zusammenkünften für die Bbr. Bbr. recht viel verspreche. Um nicht allzu theoretisch zu bleiben, will kh sagen, wie ich mir die Sache denke. Es dürfte im Wintersemester wohl möglich sein, die in Betracht kommenden Damen — auch fie Mütter werden stets gern gesehen sein — alle 14 Tage an ernenn Nachmittag zusammenzutrommeln. Die K.V.K.V., die über ein äigenes Heim verfügen, könnten bei dieser Gelegenheit ihren Chk in ' behaglicher Herrichtung ihrer Räume sowie ihre Fähigkeit zur Gastfreundschaft (die sich in massigen Grenzen zu halten hat} vorzüglich entfalten. Denn trocken darf der Nachmittag auf keinen Faßt verlaufen. Es wird auch, denke ich, dem Verein nicht allzuviel Kasten verursachen, wenn er der Gesellschaft einen Tee spendirt;. md den Kuchen bringen die Weibsleute gern selber mit. Denn es soll sich in der ersten Stunde — vor dem ernsten Teil — ganz ruhig ein gemütliches Beieinandersein entwickeln! Wie leicht können feinsinnige und geschickte Menschen während dieses gesellschaftlichen Ilors d'oeuvre die zur Aufnahme ernster Worte nötige Stimmung erzeugen! Eine nicht zu tief herab^estimmte muntere Unterhaltung wird für das, was kommen soll, einen guten Resonnanzboden scBuaffen. "Warum sollen wir den Gedanken des Pive-oclock nicht <asch für unsere Zwecke ausnützen? Aber ich will mich nicht in eine Ausmalung des aesthetischeir Nimbus, der über dem Ganzen Eegen soll, verlieren. Das muss ja auch mehr oder weniger Momenaeingabe sein.— Nun aber zu unserer Erziehungsarbeit! Wir «Surfen wohl für den AVinter mit 10 Nachmittagen rechnen; damit lässt sich viel anfangen. Die zehn Vorträge, die zu halten sind, Müssen in fortlaufender Entwickelung die ganze Frage wenigstens aufrollen. Ihnen muss also eine gemeinsame Disposition zu Grunde liegen.