Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 5 (24.8.1909)
- Date
- 1909-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Der jüdische Student. wichtige und dankbare Aufgabe, einmal darzulegen, wie tief und segensreich der Dienst im Zionismus auf die Charakterentwicklung eines werdenden Mannes einwirken muss. Dieser Nachweis würde uns vielleicht manche Tendenzdebatte oder mindestens manchen hölzernen und banalen Einwand gegen einen angeblich blinden Radikalismus ersparen. — Das Problem: Der Zionismus und die Jugend streift Sokolow in einem ellenlangen Artikel in demselben Jahrbuch. Er ist in Sokolows bekanntem unerträglich geschwätzigen und komisch fehlerhaften Stil geschrieben und würde mehr enthatten, wenn er ein Fünftel so lang wäre. Wie immer bei Sokolow, findet man auch hier Ansätze zu Gedanken, die etwas hätten werden können,, wenn ihnen die Zeit zur Reife geblieben wäre. Im übrigen enthält der Almanach, ausser zwei Aufsätzen tatsächlichen Inhalts über die Zionistische Organisation und die Jüdischen Studenten-Korporationen in Deutschland, eine ganze Reihe kleiner Essays, in denen sich wenig Gedanken, aber eine Fülle warmer zionistischer Gefühle finden, die in ort rührenden Tönen sich Luft machen. Ausserdem ein paar anscheinend ganz hübsche Gedichte und einen humoristischen Anhang. Erich Cohn. GeseUscImftskurso im V. J. St, Zu den mancherlei Vorschlägen, die ich nun >chon im J. St. gemacht habe und von denen so gut wie keiner bisher berücksichtigt worden ist, füge ich heute einen neuen und, wie ich glaube, nicht minder vernünftigen hinzu. Mit jenem Optimismus, mit dem ich nun schon so oft hereingefallen bin! Ich gehe von der einfachen Ueberlegung au*? dass sieh uns für die Erfüllung des § 5 unseres Programines 'Rückwirkung auf weiteste Kreise), für den wir durch Bälle, Rudern, Tennisspielen u.s.w. allein doch gewiss nicht genug tun. eine treffliche und bisher noch gar nicht genug beachtete Gelegenheit bieten würde, wenn wir uns etwas mehr an die Erziehung unserer Vereinsschwestern machen wollten. Denn einmal ist es eine Schmach, das^, was nicht gut bestritten werden kann, die meisten unserer Damen im Gruude keine Ahnung davon haben, was eigentlich der V. J. St. ist, wie sie denn auch der jüdischen Frage ohne Verständnis und — was schlimmer ist— wohl auch ohne innere Teilnahme gegenüberstehen. Alsdann genügt es wohl, wenn ich nur daran erinnere, dass unsere Vereinsschwestern die künftigen Mütler junger Juden sein sollen — und ich wage zu bezweifein, ob sie moralisch und intellektuell wirklich geeignet sind, das zu erfüllen, was wir von ihnen verlangen und erwarten.