Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 4 (26.7.1909)
- Date
- 1909-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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«So wirkt auf den mulus! *j Auch der neunte Deutsche Freistudententag in Weimar, auf dem 21 Deutsche Hochschiifen vertreten waren (23 Organisationen), ausserdem zahlreiche Verbände ehemaliger Freistudenten, die im freistudentischen Bund zusammengeschlossen sind und gleichzeitig mit der eigentlichen Deutschen Freien Studentenschaft tagen, muss sehr wirksam verlaufen sein. Freilich eine Dummheit ist gemacht worden, die denn doch der Bewegung einen sicher ungeahnten Schaden bringen dürfte md die selbst dem unjüdischsten aller jüdischen Studenten die Amgen öffnen müsste. Anlässlich des Weimarer Tages erschien ebe Festnummer der Berk Freistud. Blätter, die im allgemeinen necht interessante zusammenfassende Darstellungen der Entstehungs- und Entwickelungsgeschichte der Fr. Stud. brachte, Doch ein enfant terrible schlich sich unter die Mitarbeiter der Festnummer, zwar ein ziemlich aus" gewachsenes Kind, aber dafür um so fürdkerlicher: es heisst Dr. B. Hanns und ist o. ö. Prof. der Nationalökonomie an der Universität Kiel. Dieser Herr, dessen Namen und Persönlichkeit wir uns merken müssen, bespricht seine Stellungnahme bei der Gründung der Berliner Freien Studentenschaft. Seine Ausführungen **) versieht die Redaktion mit keiner irgend einschränkenden Anmerkung. Nun hcisst's zwar am Kopf des Blaüres: »Alle Artikel, die nicht ausdrücklich als amtliche Mitteilungen gekennzeichnet sind, gelten als private Meinungsäusserungen4. Aber man weiss ja, was das bedeutet. Ist das Bekenntnis dieser schömn Professorenseele nicht reizend? Ob wohl die massgebenden Kreise dar Freien Studentenschaft Herrn Prof. Harms für seine Harmlosigkeit Dank wissen werden? Ich zweifle! — Febrigens wurde auf ilem Weimarer Tag die folgende Resolution gefasst: „Die auf dem 9. Freistudententag versammelten Vertreter geben ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, dass die Berliner Organisation wieder gegründet ist. Sie bedauern aber, dass durch die gegenwärtige Rechtslage eine dem Wesen der freien Studentenschaften angemessene Organisationsform in Berlin nicht geschaffen werden konnte. Auf keinen Fall kann *) Dabei fällt mir ein, dass ich im Februarhel. 190s (S. 293) unter den „Themen zur Bearbeitung für den J. St." auch das empfahl: Psychologische Charakteristik des jüdischen Primaners. Welchen Anschauungskreis muss der Durchsehnittsabituiiient in Deutschland (aus „freisinnigem* Hause mit meist jüdisch irdifVerenter Tendenz) _ infolge der zwölf Jahre langen spezifisch deutsdichristlichen Schulerziehung gewonnen haben, wie muss er von vornherein (soweit er nicht irgendwie jüdisch beeinflusst ist} unserm "Gfedankeri gegenüberstehen? Eine sehr wichtige, keilpädagogische Frjge! Den Einwand: „Das ist ganz individuell verschieden" weise ich Entschieden zurück: es gibt ein Schema für die Psyche des deutsch-jüdischen Primaners nach dieser Seite hin, wo es sich ja nicht um absolut persönliches Leben handelt 1 Will niemand ran? **) Die hier nicht noch einmal wiederholt werden sollen; vergl. S. 76 fi. dieses Heftes.