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Der jüdische Student · 1909-07-26 · Heft 4 (26.7.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 4 (26.7.1909)
Date
1909-07-26
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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83 Der judische Student. da will ich er.L einmal Berlin selbst gründlich kennen lernen"! — oder auch: „In Berlin trete ich in keinen Verein ein"! — Und zu den vielen Anregungen und Vergnügungen aller Art. an denen Berlin selbst so reich ist, kommt nun die Finkenschaft mit ihrem stark entwickelten Abteilungswesen, das Ermässigungen, Vorträge, Sport, Ausflüge, Führungen und Zusammenkünfte geselliger Natur in der ganz unverbindlichen Weise bietet, dass alle nichtinkorporierten Kommilitonen eingeladen sind.. So behält jeder seine volle Freiheit. Unabhängigkeit und Selbständigkeit, rindet Gelegenheit zu studentischem Verkehr — und geniesst auf diese Weise scheinbar alle Vorzüge des'Inkorporiertseins zugleich mit den Freiheiten des Nichtinkorporierten. Aber gerade diese Art des Entgegenkommens gegen alle persönlichen Wünsche und Neigungen des Einzelnen ist es, gegen die wir zusammengeschlossenen bewusstjudischen Studenten ankämpfen müssen. Denn dadurch, dass jedem soeben schulentlassenen Studenten Gelegenheit gegeben wird, sich ganz und nur so zu beschäftigen, wie er es sich gefallen lässt und sich wünscht, werden nicht Menschen herangebildet, die im späteren ernsteren Leben der Muhen und Kämpfe, des Zusammenprallens von Gegensätzen und Vorurteilen in sich gefestigt dastehen. Und wenn auch nicht geleugnet werden kann, dass die Freie Studentenschaft manches leistet, was auch von uns anerkannt werden muss, wenn auch uns z. B. die Arbeiterkurse vorbildlich erscheinen, so sind diese Einzelheiten im Grunde doch bedeutungslos: denn es fehlt naturgemäss die leitende Idee, welche für alles und für alle das Grundmotiv darstellt, — wie es bei uns die Judenfrage ist' Schon ganz allgemein wird man gegen die Freie Studentenschaft sagen müssen, dass das, was sie mit ihren Unternehmungen erreicht, Menschen sind, die sich entweder einseitig mit dem beschäftigen, was sie lockt, und nicht mit dem, was sie locken sollte, — mit dem, was ihnen Freude macht, aber nicht mit dem, was das Leben bewegt, was Fragen der Gegenwart und der Zukunft darstellt, was Disziplin und Selbsterziehung verlangt, — oder aber Menschen, die. sich zersplittern und ohne festes Grundprinzip und ohne systematische Durchfuhrung allzu ungeregelt vielseitig sich betätigen. Denn der Freien Studentenschaft fehlt das ernste xArbeiten einer Gesamtheit in einer Idee, die nicht nur den Studenten angeht, sondern die er auch mitnimmt ins "Leben, in die Welt, — die er vertreten kann mit dem Bewusstsein, dass sie ihn ausfüllt, dass er sie sich in ernstem, eifrigem Streben und Arbeiten erobert hat. — Wie muss es nun aber erst den jüdischen Studenten ergehen, die aus der „tolerantenu freistudentischen Umgebung hinaustreten und nun im Kampfe um eine Tätigkeit, um eine Stellung erkennen, dass es hier ganz andere Fragen sind, welche den Menschen ihre Positionen zuteilen, dass hier auf ganz andere Dinge Wert gelegt wird als die waren, die die Freistudenten an ihm geschätzt haben, dass hier hoher Idealismus und „ausserordentlich viel Takt"

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