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Der jüdische Student · 1909-07-26 · Heft 4 (26.7.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 4 (26.7.1909)
Date
1909-07-26
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der jüdische Student. 81 eine lokale Ausnahme erklärte, und mit den sonstigen — insbesondern den Berliner — Juden nichts zu tun haben wollte. So wurde denn alle prinzipielle Toleranz über den Halfen geworfen, als man zeigen sollte, dass diese nicht nur als Lockmittel auf dem Papier steht, sondern auch in der Praxis angewendet wird, — Es ist anerkennenswert, wenn Professor Harms so offen ausspricht, dass „gelegentlich ein bischen Antisemitismus sicherlich am Platze war". Dass man dies von einem ehemaligen ersten Vorsitzenden einer deutschen Finkenschaft und noch gegenwärtig sehr einflussreichen Mitglied des „Verbandes ehemaliger Preistmdenten" hören und in dem offiziellen Verbandsorgan der Freistudeoten lesen kann, zeugt von mehr Offenheit, als man den Herren von der Freien Studentenschaft zugetraut hätte! — Wie hoch allerdings in sittlicher Beziehung die jüdischen Freistudenten stehen müssen, geht aus der Charakterisierung derselben hervor, dass gerade jüdische Studenten es zumeist gewesen sind, die ihren „Unlustgefühlen", d. h. ihrem Unbehagen gegenüber Juden, Ausdruck gegeben haben. Professor Harms nennt diese Tatsache „bezeichnend" in dem Sinne, dass unter solchen Umständen auch unter den arischen Finken gelegentlich etwas > Antisemitismus* vorkommen darf — in Wahrheit ist die Tatsache nur bezeichnend für die Juden, die Pinken sind. Insu.ern scheint es ja, als ob wir nicht viel an diesen Leuten verlieren, — aber es gibt auch andere jüdische Freistudenten; zum Teil handelt es sich hier um diejenigen, die eben die Unlust jener andern erregen, zum Teil um die, von denen den ansähen Leipziger Unken die Gefahr der Verjudung zu drohen schien. Es liegt für uns eine gewisse Anerkennung darin, dass die jüdische Art gefürchtet wird, — die Juden, die 3die Oberhand gewinnen kömnen und wollen41 In der Tat gibt es Abteilungen speziell der Berliner Finkenschaft, in denen der grössere Teil des Vorstandes aus Juden besteht; insofern ist die Gefahr einer Verjudung der Freien Studentenschaft vorhanden — auch gerade jetzt noch, da Professor Harms sie nicht mehr zu fürchten scheint. Allein die Begleiterscheinungen dieser Verjudung bedeuten auch für uns eine gewaltige Gefahr. Wie viele für uns brauchbare Kräfte werden durch die Anziehungskraft der Freien Studentenschaft absorbiert, dem Judentum, jüdischer Arbeit entzogen. Denn wenn auch die PYeie Studentenschaft in ihren einzelnen christlichen Elementen jene eben charakterisierte, stets zur Abwehr geneigte Stellung den jüdischen Kommilitonen gegenüber bewahrt, — als Gesamtorganisation hat sie das schöne Toleranzprinzip, das den jungen Semestern entgegengehalten wird und so stets ein wirksames Mittel bildet, um jene jungen Leute von bewusst-jüdischen Ideen abzulenken. Für die jungen Semester liegt ja auch zu viel Lockendes in dem System - der Finkenschaft überhaupt. Um von den Berliner Verhältnissen zu sprechen: Die ersten Semester finden ja schon an und für sich so viel Abwechslung, dass ein Besucher oft genug beim Keilen die Antwort erhält: „Im ersten Semester will ich hoch mit dem Aktivwerden warten,

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