Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 3 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Was aber wichtiger ist, wir keilen unsere Leute doch nicht für die kurze Zeit der Activität, sondern für das ganze Leben. Unter diesem Gesichtspunkte ist der B. J. C. nur ein kleiner Ausschnitt aus der grossen nationaljüdischen Bewegung. Wir haben uns nicht aus Akademikerhochmut separat organisiert, sondern weil der Student mit seiner vielen freien Zeit und seinen besonderen Lebensbedingungen aus Zweckmässigkeitsgründen separat organisiert werden muss. Brauchbarkeit für die jüdische Bewegung ist der einzig massgebende Gesichtspunkt, von dem aus wir zu keilen haben, und ich brauche wohl nicht auf die guten Erfahrungen hinzuweisen, die wir bisher fast durchweg mit Zahnmedizinern ''und auch Apothekern) gemacht haben, um zu beweisen, dass die Verfechter des oben gerügten Prinzips irren, wenn sie glauben, damit de in B. J. C. einen Dienst zu erweisen. Joseph Loewy. N a c h b e m e r k u n g. Seit dem Erscheinen des Maiheftes sind einige Wochen vergangen — erfreulicherweise, ohne dass der „offensichtlich im Entstehen begriffene Stunk* Wahrheit geworden wäre. Bbr. Loewvs ganze temperamentvolle Polemik ist ebenso ungerechtfertigt wie diese Prophezeiung. Nicht etwa seine prinzipielle Auffassung der Immaturenfrage ist talseh: wohl aber die Deutung, die er der Bemerkung im Berliner Vereinsbericht gibt. Selbstverständlich werden wir den einzelnen Studenten, der in den V. J. St. einzutreten wünscht, — sei er Zahnmediziner oder nicht — einzig und aliein auf seine persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten prüfen. Wenn aber die Gefahr droht, dass der Verein als .solcher — aus vielleicht anfechtbaren, aber menschlich begreiflichen Gründen —- von Maturen überhaupt gemieden werden könnte, weil er überwiegend aus Immaturen besteht, dann ist es eine Pflicht, deren Erfüllung jeder schon aktive Immature billigen und unterstützen muss. dieser Gefahr entgegenzutreten; und zwar dadurch, das^ eine Zeit lang Immaturen gegenüber eine besondere Keiltätigkeit nicht ausgeübt wird. Die Tatsache, dass im Berliner Verein bei Abfassung des Berichtes die Hälfte der Aktiven aus Zahnmedizinern bestand, zeigt die Gefahr in bedrohlicher Nähe. Für_ eine weitere Diskussion dieser Frage, die sich höchst unfruchtbar gestalten würde, ist im Jüdischen Studenten umso: weniger Raum, als bereits vom nächsten Semester an definitiv die Maturität unerlässliche Vorbedingung für . das zahnärztliche Studium ist. M.