Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 3 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 61 Vom Verhältnis zwischen B. J. C. um! B. J. A. Wie vor 3 jalireig die DiiYerenzen zwischen B. J. C. und - B. J. A. in Strassburg zuerst zur offenen Kriegserklärung führten, ,so sind auch hier wieder die Beziehungen avischen den beiden Verbänden wohl am gespanntesten. Da in gesellschaftlicher Beziehung eine vollständige Trennung zwischen den beiden Lagern besteht, so tritt diese Spannung meistens nur gelegentlich der Keilzeit in Erscheinung; aber dann auch gleich besonders heftig. Mit welcher Zähigkeit und auch mit welch nicht gerade einwandfreien Mitteln aber man von der gegnerischen Seite uns zu bekämpfen sucht, hat kürzlich unser Fux Bachrach erfahren! müssen. Bachrach war für den V. j. St. Strassharg vorgekeilt. Als ■ihm - und seiner Familie nahestehende V, J. Aer von seinem Entschluss, in den Y. j. St. einzutreten, hörten, steckte man sich hinter den Vater, der im Rabbinatsbezirk de* Dr. Cahn, Fulda, Kuitusbeamter ist. Der Vater bestimmte ihm infolgedessen Heidelberg als Studienort und die dortige V. j. A. afc- Corporation; dort sollte er dem religiösen Judentum zurückgewonnen werden. B. suchte dem ihm drohenden Gewissenszwang m entgehen: er fuhr über Heidelberg hinaus, kam nach Strassburg* und meldete sich bei uns aktiv. Unsere V. J. A.er aber gabtn die Hoffnung auf Rettung seiner Seele nicht so schnell auf. Nachdem zuerst der Rabbi der hiesigen orthodoxen Gemeinde ihm vergebens zu sich beschieden, kam eines schönen Tages der X üer V. J. A. Heidelberg als — wie er sagte — uneigennütziger Freund und Helfer eines in tiefe Trauer über seinen ungeratenen Sbhn versetzten oder wohl besser gehetzten Vaters. Ihm und dem frommen Rabbiner gelang es schliesslich nach mehrstündigen Btaiuhungen. B. das Arersprechen abzuringen» mit nach Heidelberg zurückzufahren. Um seiner Sache ganz sicher zu sein, ging der .Hedeiberger V. J. A.er — auch einer, der sich für den Beruf eines orthodoxen Rabbiners Vorbereitet, — sogar auf Bachrachs Bude und tignete sich in seiner Abwesenheit sein Testirheft an. Sobald aber Ek wieder allein gelassen war, erkannte er, dass er sich hatte überrumpeln lassen und dass er es seiner Ueberzeugung schuldig sei, unseren Klerikalen den Sie£ doch nicht so leicht zu machen. Br fuhr deshalb nach o Hause, um persönlich dem Einfluss, den die V. J. A.er auf seine Eltern ausübten, entgegenzuarbeiten. Aber vergebens. Nach den Pfingstferien begibt er sich — insbesondere auch auf unser Anraten —, dem Wunsche seines Vaters folgesid, nach Heidelberg. In die V. J. A. braucht, er natürlich nicht einzutreten. Uns alien aber fällt es nicht leicht, ihn, den wir in der kurzen Zeit unseres Zusammenlebens schätzen gelernt und recht lirb gewonnen haben, für dieses Semester von uns scheiden zu lassen. Aber es wird wohl nur eine vorläufige Trennung sein. Dali uns ganz ergeben ist und wir auch glauben, ein gutes Recht auf ihn zu haben, ist er von uns nicht entlassen worden. Sondern wir gaben ihm General-