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Der jüdische Student · 1909-06-17 · Heft 3 (17.6.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 3 (17.6.1909)
Date
1909-06-17
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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56 Der jüdische Student. rentia sprecifica/ Wodurch der Menschenkomplex zum Volke wird, die Frage lockt zu einem Vergleich der Individuen (Unteilbaren) mit den Molekülen. Wodurch wird eine Molekülmenge als das erhalten, was sie ist? Durch Abschluss von der Aussenwelt. Wäre dieser Abschluss nicht vorhanden, so würde innner eine Acnderung der Eig-enart die Folge sein. Der Vergleich trifft nicht ganz zu, da werden und bleiben nicht dasselbe ist, aber er bringt uns auf den Gedanken des Abschlusses. Diesen, meist unfreiwiligen, besorgt bei einem Menschenkomplex der gemeinsame Feind, und.als Reaktion gegen ihn tritt dann allmählich der Wille hinzu, sich zum Volk zusammenzuschliessen. So ist es in den Uranfängen, für die Folge aber treten diese beiden Elementargründe der Volkswerdung wieder auf als Gründe der Volkserhaltung. Der gemeinsame Feind ist für die Gesamtheit der Juden vorhanden, den Willen, national zu bleiben, zeigt die Geschichte, da trotz 2000 jähriger Gelegenheit zur Assimilation diese nicht erfolgt ist. Für die Gegenwart beweist ihn überdies der Zionismus. Also gibt es ein jüdisches Volk. Nun kommt aber die Frage, ob denn die Zugehörigkeit zu einem Volksganzen bindend ist für jedes Individuum. Diese Frage kann oft zu einem schweren sittlichen Problem werden, wenn sich der Einzelne, wie eben der moderne Assimilationsjude, in Wesensfragen mit seinem Volke nicht eins weiss. Liegt aber der Grund zum Ucbertritt von einem Volke zum andern darin, dass das Individuum vermöge äusserer und innerer Assimilation seine adäquate Gruppe in dem andern Volk erblickt, so ist ihm ein moralischer Vorw urf daraus nicht zu machen. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle i^t jedorh Egoismus der Grund zwx Assimilation. Aber das sind nicht einmal die schlimmsten Juden. Am unheilvollsten für das Judentum ist der Umstand.' dass der bei weitem grösste Teil der modernen Juden Leute sind, die gar nicht wissen, was sie tun wollen: Halbassimitanten. Sie geben das Alte auf, ohne Neues an seine Stelle zu. setzen. Den Mut zur Taufe und Mischehe haben sie nicht, aber den Willen, ihre nationale Eigenart zu bewahren, haben sie auch nicht. Diese Halbheit ist das richtige Kind der Reform. Die jüdische Eigenkultur haben die Halbassimilanten autgegeben gegen das, was ihnen damals wertvoll erschien, die bürgerliche Gleichberechtigung. Diese haben sie aber auch nicht vollkommen erlangt, und so ist die Spekulation missglückt.*) Den inneren Frieden und die Sicherheit, die ihnen die starke Eigenkultur gab, hat der Deutsche jüdischen Unglaubens eingebüsst, und so ist der bekannte Typus des modernen Juden entstanden, der in den modernen •) Vgl. Dr. Emil Cohn, Probleme im modernen Judentum.

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