Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 3 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 51 die den Universitätsstudenten unter uns gewiss in mancher Hinsicht interessant sein dürften. Von geschätzter,, sachverständiger Seite erhalten die M. A. folgende Zuschrift: Studierende sowohl wie Regierungsbaufffirer haben gesonderte Vereine gebildet, sogenannte Klausufveoeine, deren Hauptaufgabe darin besteht, ihre Mitglieder zur ersten (Bauführer-) bezw. zweiten (Baumeister-) Staatsprüfung vorzubereiten. Die zu bewältigende Materie ist nach Berichten aus den Prüfungen -— den in der mündlichen und schriftlichen ^Prüfung („Klausur") gestellten Fragen und Aufgaben — in umfangreichen Kompendien zusammengestellt, an deren Hand die Vereine ihre Mitglieder für die in den Prüfungen ihrer harrenfen xAjiforderungen vorbereiten. Die Klausurvereine für die Bauführerprüfung bestehen an allen technischen Hochschulen —. an jeder in mehrfacher Zahl —, an denen die Bauführerprüfuiing abgelegt werden darf, die Klausurvereine für die Baumeisterpnüfung nur in Berlin. Beide Klausurvereine sind zu Verbänden zusammengeschlossen und nehmen laut Verbandsstatut jüdische Studierende bezw. Bauführer als Mitglieder nicht auf. Dieser Zustand datiert aber nicht etwa erst seit kurzem, wie Ihnen beruhtet zu sein scheint, vielmehr teilte mir bereits 18&Fr als ich mich zur zweiten Staatsprüfung vorbereitete, ein befreundeter christlicher Kollege den Sachverhalt mit, damit Mi nicht erst Aufnahme in einen Klausurverein nachsuchte. "Ob diese Verhältnisse auch an den nichüpreussischen technischen Hochschulen wie München, Stuaügart, Darmstadt. Karlsruhe, Braunschweig bestehen, ist mir nicht bekannt, es ist aber wohl anzunehmen Auch unter iku Beflissenen des technischen Studiums ist der Antisemitismus in Fleisch und Blut übergegangen und wird von GeneralüDn zu Generation übernommen. Auch in den Techrükerverbiadungen — d. h. Korps, Burschenschaften, Landsmannschaften, Verbindungen und Vereinen an technischen Hochschulen -—änden Juden heute keine Stätte und haben sich daher folgerichtigerweise zu besonderen Korporationen zusammengeschlossen. Beachtenswert ist, dass die Redaktion der Abwehrmitteilungen das Wörtchen „folgerichtigerweise'' nidkt gestrichen hat. Vielleicht ist's nur ein Versehen. Die mitgeteilten Tatsachen selber können uns nicht aufregen. Einige interesstante Beiträge zur G e s c h i cht e des akademischen Antisemitismus fanden sich m Nr. 14/15 und in Nr. 19 der M. A. Sie betrafen, auf einem Leitartikel der „Akad. Blätter" fassend, Stöckers Wirksamkeit als Vater der antisemitischen Bewegung, speziell im Berliner V. D. St.; der andere Osthoffs, des vor kurzem verstorbenen Heidelberger Universitätslehrers, Kampf gegen die antisemitische Agitation in ihrer Entstehung'und Blütezeit.