Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 3 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Der jüdische Student. Die „Münchener Neueste Nachrichten" berichteten am i. Mai: Die Dozenten der medizinischen Fakultät wurden vom Kultusministerium ermächtigt, den Einschreibetermin für nichtdeut- "sche Studierende künftig um acht Tage später anzusetzen als für die einheimischen Studierenden, die sich vielfach darüber zu beklagen hatten, dass ihnen die ausländischen, insbesondere die russischen Studenten die besten Plätze in den Hörsälen usw. wegnehmen. Damit eröffnet nun auch die Müncheuer Universität den Kampi gegen die A u s 1 ä n der. den die dortige Technische Hochschule schon geraume Zeit, aber, wie es scheint, ohne rechten Erfolg, führt. Ueber 30(51) studierende Frauen 1 'Inden sich an den Schwei- zer Universitäten. Weit mehr als die Hälfte davon sind Ausläriderir?'jen und unter diesen überwiegen die .Russinnen. (B. T. v. 30. 4.). Einem Briefe eines Bundesbruders aus Lausanne entnehme ich folgende uns interessiere»: de Einzelheiten über den „ modus vivendi der judischen Studenten an der Lausanner alma mater": Das ganze Leben und Treiben in L. steht unter dem Zeichen der Internationalitat, die folglich auch ihren Einfluss auf die akademische Welt ausübt. Einen äusseren Beleg hierfür bietet der Umstand, dass die studentischen Corporationen fast durchweg streng nach Nationalitaten gesondert sind (abgesehen von den Katholikern vin<] einigen wissenschaftlichen Vereinen). So finden wir hior eine bulgarische, rumänische, ägyptische, italienische etc. Verbindimg, deren Mitglieder ihre Nationalfarben st dz in Mutze und Band zur Schau tragen. Soweit meine Informationen reichen, nehmen alle Corporationen Juden aur, ja einige, wie ich hörte: die bulgarische, sollen zum gr-vssten Teil aus Juden bestehen. Eine rühmliche Ausnahme macht selbstverständlich die „Germania\ die in fleckenloser Judenreinheit erstrahlt. FÄn wahrer Segen , -für uns Juden! Die deutsehe Verhüllung hält, was man von ihr erwartet. Sie ist krampfhaft und erfolgreich bemüht, deutsche „Kultur und Sitte44 hier lächerlich zu machen. . . . Weit mehr dürften uns unsere "„Glaubensbrüder" interessieren. In diesem Semester wurde die jüdische Verbindung vIsrael" gegründet, die gemäss der ganzen Entwicklung des hiesigen Corporationswcsens selbstverständlich jüdisch-nationalen Charakter trägt. Man könnte auch sagen, sie sei international. Angehörige . aus aller Herren Länder eint das blau-weissschwarze Banner, und alle tragen das Judenzeichen stolz über Rock und — Biouse zur Schau. Der grösste Teil der Mitglieder besteht nämlich aus Studentinnen. Dieser Verein steht also auf einer Entwicklungsstufe, die der B. J. C. noch lange nicht oder nie erreichen wird. Vor einigen Wochen hatte ich auf einem grossen Winterfeste der jüdischen Stu-